Der Volkswagen Polo R WRC ist ein Hightech-Produkt aus Wolfsburg © xpbimages.com

Der Volkswagen Polo R WRC hat auf Anhieb die Rallye-WM gewonnen: Der Bolide aus Wolfsburg hat einen vielschichtigen Entwicklungsprozess durchlaufen

Hinter dem Erfolg der Rallye-Weltmeister Sebastien Ogier und Julien Ingrassia steht ein wahrer Spitzenathlet: der Volkswagen Polo R WRC. Auf Anhieb ein Meistermacher und Siegertyp, durchlief das 315 PS starke World-Rally-Car aus Wolfsburg einen vielschichtigen Reife- und Entwicklungsprozess. Denn die Aufgabe, ein wettbewerbsfähiges Fahrzeug für die FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) zu entwickeln, ist äußerst komplex.

Mal geduckt über topfebenen Asphalt, mal quer stehend über Eis und Schnee, mal hochbeinig über rauen Schotter - dazu hier große Hitze, dort Eiseskälte. Keine zweite Kategorie im internationalen Motorsport bietet eine solch große Vielfalt an klimatischen Bedingungen und unterschiedlichen Fahrbahnbelägen wie die Rallye-WM. All das muss ein World-Rally-Car meistern.

Unter der Vielzahl an unterschiedlichen Bedingungen müssen Chassis und Motor ein Maximum an Effizienz leisten. Stark genug, den Belastungen standzuhalten, gleichzeitig leicht genug, um die nötige Leistungsfähigkeit zu garantieren. Schritt für Schritt: kontinuierliche und gründliche Entwicklung des Polo R WRC.

Die Volkswagen Ingenieure entwickelten in 17 Monaten auf Basis des Serien-Polo, von dem unter anderem die Rohkarosse, die Türen und die Motorhaube stammen, den Polo R WRC nach dem Minimal-Prinzip. Jede einzelne Komponente wurde mehrfach auf ihre Dimensionierung und Leichtigkeit hin erprobt und während der etwa eineinhalbjährigen Entwicklungszeit stetig verbessert.

Der Weg zur Homologation des Polo R WRC für die Saison 2013 folgte einem strammen Zeitplan: Nach der Präsentation des Konzept-Fahrzeugs im Mai 2011 baute Volkswagen zunächst ein sogenanntes 0-Fahrzeug als Komponenten-Träger auf, das im Herbst 2011 seinen Roll-out in den Weinbergen von Trier absolvierte. Am Steuer: Rallye-Legende Carlos Sainz und der damalige Entwicklungs-Vorstand Dr. Ulrich Hackenberg.

Die rechnergestützte Simulation des ersten Konzepts für den eigentlichen Polo R WRC begann parallel dazu. Am 23. Dezember 2011, pünktlich vor dem Heiligen Abend, stand der erste Polo R WRC im Foyer von Volkswagen Motorsport. Im Januar 2012 erfolgte das Roll-out auf der Volkswagen Teststrecke in Ehra-Lessien, ebenso erste Tests in Schweden und Spanien. Ab März unterzogen die Techniker den Polo R WRC einer steten Überarbeitung - beispielsweise in Sachen Fahrwerkskinematik und Leichtbau.

Der Aufbau dieser verbesserten Version des Polo R WRC, der sieben seiner bisher zehn Rallyes gewann, begann schließlich im September 2012. Die Homologation beim Automobil-Weltverband FIA erfolgte am 01. Januar 2013. Liebe für das Detail: Jede einzelne Komponente des Polo R WRC durchlief auf dem Weg zum Status "ready to race" mehrere grundlegende Prozesse.

Am Anfang stand die Theorie: Parametrisches Konstruieren an CAD-Systemen (Computer Aided Design) wurde von rechnergestützten Simulationen (zum Beispiel CFD - Computer Fluid Dynamics) verifiziert und in der Praxis beispielsweise bei Windkanal-Tests und in der Klimahöhenkammer des Volkswagen Konzerns überprüft.

Kontinuierliche Entwicklung

Erst danach folgten ausgiebige Testfahrten. Eine entscheidende Rolle spielten bei der Auslegung und der Erprobung des Chassis die Ressourcen aus Wolfsburg. Die Konstruktionsabteilung der Marke Volkswagen steuerte dabei wertvolle Entwicklungsarbeit unter anderem in Sachen Fahrwerkskinematik bei. Unter der Regie von Volkswagen Motorsport entstand so ein High-Tech-Puzzle aus insgesamt etwa 3.000 Teilen, von denen 1.360 für den Motorsport-Einsatz des Polo von Grund auf neu konstruiert wurden - Motor und Getriebe noch nicht mitgezählt.

Nichts dem Zufall überlassen: Motorenentwicklung, Machart "State of the Art". Wie bei der Chassis-Entwicklung ging Volkswagen bei der Konstruktion des etwa 300 Einzelteile umfassenden Motors für den Polo R WRC zielgerichtet vor: dem etwa 315 PS starken 1,6-Liter-TSI-Triebwerk. Das automatisierte Wechselspiel aus CAD-Konstruktion und gleichzeitiger Simulation durch CFD-Prozesse führte unter anderem zur idealen Ausgestaltung der Einlasskanäle.

Bei der Entscheidung pro oder contra unterschiedliche Konzepte innerhalb der stark limitierten Möglichkeiten des Rallye-WM-Reglements ging Volkswagen streng analytisch vor. Die Ingenieure überprüften im gesamten Prozess eine breite Basis an unterschiedlichen Lösungen. Zwei verschiedene Hub-Bohrungs-Verhältnisse, drei verschiedene Zylinderkopf-Konzepte, neun verschiedene Einlasskanal-Geometrien, unzählige Varianten von Injektoren sowie zwei verschiedene Ventildurchmesser wurden überprüft und die jeweils beste Lösung für das endgültige Aggregat ausgewählt.

Starker Rückhalt: Hand in Hand mit den Partnern zum Titel. Einen großen Anteil am Gewinn der Fahrer- und Beifahrer-Titel in der FIA Rallye Weltmeisterschaft (WRC) haben die Partner von Volkswagen. Die Volkswagen R GmbH und Red Bull sind im Motorsport langjährige Unterstützer der Wolfsburger. Insbesondere in der weltweiten Vermarktung profitieren die beiden globalen Top-Marken Volkswagen und Red Bull jeweils voneinander - eine Win-win-Situation.

Die weiteren Partner von Volkswagen haben ebenfalls entscheidenden Anteil am Erfolg. Die Fahrwerkskomponenten von ZF sorgen für maximalen mechanischen Grip. Michelin liefert die besten Reifen für Schotter, Eis und Schnee sowie Asphalt. Castrol sorgt für optimale Schmierstoffe für den Motor des Polo R WRC.

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