Dani Sordo feierte im 99. WM-Rennen den ersten Sieg © imago

Kurz nach dem tödlichen Unfall ereignet sich das nächste Unglück bei der Deutschland Rallye. Die Sicherheit wird diskutiert.

Trier - Am späten Samstagnachmittag senkte sich tiefe Trauer über die Rallye Deutschland (Zusammenfassung ab 20.15 Uhr im TV auf SPORT1), niemand fragte mehr nach Siegern und Verlierern.

Im Rahmenprogramm des WM-Laufs rund um Trier hatten zwei Menschen ihr Leben verloren.

Die beiden Niederländer waren in ihrem 1980er Triumph bei einer privat organisierten Demo-Fahrt für Oldtimer auf regennasser Fahrbahn von der Strecke abgekommen.

Das Auto überschlug sich und prallte gegen eine Baumgruppe, die beiden Insassen starben noch an der Unfallstelle (Bericht).

Sicherheitsdiskussion in vollem Gange

Es war der zweite schwere Rallye-Unfall innerhalb kürzester Zeit. Erst vor rund zwei Wochen waren Janina Depping (34) und Beifahrerin Ina Schaarschmidt (29) auf der fünften Wertungsprüfung der 54. Wartburg-Rallye mit ihrem Mitsubishi Lancer Evo 9 verunglückt.

Schaarschmidt starb noch an der Unfallstelle, Depping erlag vier Tage später ihren schweren Verletzungen. Die Sicherheitsdiskussion unter den Off-Road-Spezialisten ist in vollem Gange - zumal sich am Sonntag erneut ein schwerer Unfall ereignete.

Erneuter Unfall bei Deutschland Rallye

Einen Tag nach dem Tod der niederländischer Privatfahrer wurden auf der 16. und letzten Wertungsprüfung bei der Rallye Deutschland zwei 35 und 48 Jahre alte männliche Zuschauer, die sich unerlaubterweise in einer Sperrzone befanden, von einem schleudernden Rallye-Auto erfasst und verletzt.

Ein Mann hatte nach Angaben der Polizei nach dem Unfall mehrere Knochenbrüche, der andere eine Kopfverletzung. Beide wurden per Helikopter ins Krankenhaus geflogen.

Die Wertungsprüfung wurde abgebrochen.

Tragische Folgen

Auch wenn die beiden tragischen Zwischenfälle nicht zuletzt wegen der vollkommen unterschiedlichen Beschaffenheit der beiden Unfallautos schwer zu vergleichen sind, so sind sie doch beide Ausdruck des hohen Risikos, das Fahrer und Zuschauer bei einer Rallye eingehen.

Wetteranfällige Strecken durch Waldgebiete oder über Schotterpisten, Tausende von Fans, die oft nur Zentimeter von den vorbeirasenden Autos trennen - schon kleinste Fehler können tragische Folgen haben.

Und das, obwohl der ADAC bereits für das höchstmögliche Maß an Sicherheit sorgt.

Sicherheitsstandards "weltweit vorbildlich"

"Die Veranstaltungen richten sich nach den strengen Sicherheitsauflagen des DMSB und der FIA, die konsequent umgesetzt werden", sagte ein Sprecher des Veranstalters.

Eines weiß der ADAC aber natürlich auch: "Leider sind Unfälle im Motorsport wie auch bei anderen Veranstaltungen nicht komplett auszuschließen."

Die Sicherheitsstandards der Rallye Deutschland würden allerdings "weltweit als vorbildlich" gelten.

Hundertprozentige Sicherheit unmöglich

Ähnlich sehen das auch die Teams. "Die Sicherheit hat absolute Priorität", sagte VW-Motorsport-Direktor Jost Capito.

Das gilt für die Strecken, aber auch für die Konstruktion der Rallye-Wagen. Vom Chassis über die Sitze bis zum HANS-System, das Rennfahrer vor starken Verletzungen im Kopf- und Halsbereich schützt, ist alles darauf ausgerichtet, Unfälle zu vermeiden und im Ernstfall die Folgen so klein wie möglich zu halten.

Regelmäßig kommen neue Technologien zum Einsatz. Dass trotzdem ein Restrisiko bleibt, ist klar. "Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben, wenn Menschen im Spiel sind", sagt Capito.

"Uns hat niemand gezwungen zu fahren"

Die Fahrer sind sich des Risikos voll bewusst.

"Wir wissen, dass es ein gefährlicher Sport ist. Und hat aber niemand gezwungen, zu fahren", sagte Luis Moya, als Beifahrer von Rallye-Legende Carlos Sainz zweimaliger Weltmeister.

In Deutschland sei die Sicherheit seiner Einschätzung nach aber schon sehr hoch.

Sordo feiert Premiere

Das sportliche Geschehen war nach dem tragischen Unglück fast Nebensache.

Der Spanier Dani Sordo gewann die Rallye Deutschland in einem packenden Duell gegen den Belgier Thierry Neuville und hatte nach 15 gewerteten Prüfungen 53 Sekunden Vorsprung.

Damit setzte Sordo auch die seit 2001 andauernde Serie von Citroen-Erfolgen bei der "Deutschland" fort. Dritter wurde Mikka Hirvonen im Citroen. Für Sordo war es im 99. Rennen der erste Sieg überhaupt bei einem WM-Lauf.

VW-Hoffnungen nicht erfüllt

Für Volkswagen endeten alle Hoffnungen auf einen Sieg beim Heimspiel am Samstag.

Der bis dahin führende Jari-Matti Latvala schied nach einem Unfall und einem Schaden an der Aufhängung seines Autos aus. Bereits am Freitag hatte der WM-Führende Sebastien Ogier auf der dritten Wertungsprüfung an der Mittelmosel einen Bremspunkt verpasst, war in einem Weinberg gelandet und hatte dabei ebenfalls die Aufhängung seines Autos zerstört.

Immerhin gewann der Franzose die Powerstage am Sonntag und sicherte sich so noch drei Punkte für die Gesamtwertung, in der Ogier weiter souverän führt.

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