Sebastien Ogier ist amtierender Rallye-Weltmeister
Sebastien Ogier kann nach seinem Sieg in Finnland schon bei der Deutschland-Rallye Weltmeister werden © getty

Der Franzose kann bei der Deutschland-Rallye das VW-Comeback krönen. Dafür muss Ogier eine Mega-Serie durchbrechen.

Trier/Berlin - Es wäre das i-Tüpfelchen auf die Comeback-Saison von VW: Der WM-Titel vor heimischem Publikum bei der Rallye Deutschland (Highlights ab Fr., 16.45 Uhr im TV auf SPORT1).

Lang ist ein Erfolg eines deutschen Autobauers in der World Rallye Championship her.

Rechnerisch kann Starpilot Sebastien Ogier im Polo WRC nun schon an diesem Sonntag vor der Porta Nigra in Trier seinen ersten WM-Triumph perfekt machen und die fast ein Jahrzehnt währende Dominanz von Ex-Arbeitgeber Citroen beenden.

"Enorm wichtiger Schritt"

"Ein Sieg in Deutschland wäre ein enorm wichtiger Schritt in Richtung Titel, und die Weltmeisterschaft ist mein großer Traum in dieser Saison", sagte Ogier vor dem Shakedown (Warm-up) am Mittwoch in Konz und der feierlichen Start-Zeremonie tags darauf vor dem Kölner Dom.

Den Titel schon jetzt klar zu machen, darauf setzt er aber nicht: "Es hängt ja nicht nur von mir ab, deswegen denke ich darüber nicht nach."

Es hängt auch von seinen beiden Verfolgern ab, die nach acht von 13 WM-Läufen sage und schreibe jeweils 90 Punkte Rückstand haben.

Der eine ist Jari-Matti Latvala, ebenfalls in einem Polo WRC unterwegs, der andere Ford-Pilot Thierry Neuville. (NEWS: Alles zum Motorsport)

Verfolger müssten patzen

Feiert Ogier nun bei der Deutschland-Rallye vor erwarteten 200.000 Zuschauern seinen sechsten Saisonsieg und sichert er sich auch noch die Zusatzpunkte auf der Extra-Prüfung (Power-Stage), hat der 29-Jährige seinen Teil zum möglichen Triumph beigetragen.

Damit aus dem Sieger-Sekt noch WM-Schampus für den Junioren-Champion von 2008 wird, darf keiner seiner beiden Verfolger über Rang sieben hinauskommen.

Rekord-Titel und Mega-Serie

Es wäre das erste Mal in der Geschichte der Serie, dass der Champion schon vier Rennen vor Schluss feststeht, selbst Rallye-Legende Sebastien Loeb hatte das bislang nicht geschafft.

Im Gegenzug ist der diesjährige Gelegenheitsfahrer und Rekordweltmeister Loeb mit dafür verantwortlich, dass Ogier eine stolze Serie durchbrechen muss, um sich seinen ersten WM-Titel zu sichern.

Denn bei den letzten elf Auflagen, zehn davon als WM-Lauf, siegte stets ein Fahrer im Citroen, davon neunmal Loeb - und einmal auch Ogier.

Turbo-Entwicklung überrascht Ogier

Mit so einem Tempo Richtung Titel - damit hatte Ogier mit Beifahrer Julien Ingrassia nicht gerechnet, als er sich für VW entschied.

"Mir war klar, dass ich durch den Wechsel ein Jahr verlieren würde, um das Auto zu entwickeln. Ich habe schon gehofft, dass wir 2013 sofort konkurrenzfähig sein würden. Aber normal wäre gewesen, dass wir ein paar mehr Probleme und Schwierigkeiten haben in unserem ersten Jahr", sagte er.

"Unsere bisher erfolgreiche Saison hätte niemand vor unserem Debüt für möglich gehalten, auch die kühnsten Optimisten nicht", pflichtete VW-Motorsportchef Jost Capito bei.

Auf den Spuren enier Legende

Und die Krönung kommt ja erst noch. Der bislang letzte WM-Erfolg eines deutschen Autobauers liegt lange zurück: 1984 gewann der Schwede Stig Blomqvist im legendären Audi Quattro.

Seitdem holten Fahrer in Peugeots (4), Lancias (4), Toyotas (4), Mitsubishis (4), Subarus (3) und vor allem Citroens (9) die Titel.

Kein Gedanke an Citroen-Rekorde

An eine Ära, wie sie sein ehemaliger Teamkollege Loeb bei dem französischen Autobauer - auch zu seinem Leidwesen - prägte, denkt Ogier momentan nicht.

"Das wäre sehr arrogant, davon zu sprechen. Das ist zu früh. Ich denke nicht daran, seine Rekorde zu brechen", betonte der aktuelle WM-Primus, der zu seiner Citroen-Zeit auch schon mal vom Team eingebremst wurde, damit Loeb freie Fahrt zum nächsten Titel hat.

Seine bislang beste Platzierung am Saisonende war Rang drei vor zwei Jahren.

Ogier vermisst Loeb

Dass Serienchampion Loeb in diesem Jahr nur noch vereinzelt am Start ist, bedauert Ogier schon ein wenig. "Es ist immer schöner, den amtierenden Champion auf der Strecke zu schlagen. Aber er hat nunmal entschieden, sich peu a peu zurückzuziehen", sagte er.

Wenn er die ganze Saison gefahren wäre, wäre eine Vorhersage über den Champion schwer gewesen, meinte Loebs einstiger Teamkollege.

Schwer ist in Sachen WM-Titel 2013 nun aber höchstens noch die Vorhersage, wann es soweit ist.

Weiterlesen