Das Driften ist im Rallyesport längst nicht mehr der optimale Weg durch die Kurve © xpbimages.com

Volkswagen-Pilot Jari Matti Latvala erklärt, wie und durch welche Einflüsse sich der optimale Fahrstil im Rallyesport seit den 1990er-Jahren geändert hat

Lange galt es als ungeschriebenes Gesetz, dass die Finnland-Rallye nur Piloten aus dem hohen Norden Siegen lässt. Doch in den vergangenen sechs Jahren triumphierten mit Mikko Hirvonen und Jari-Matti Latvala nur zwei Mal Lokalmatadoren, die restlichen vier Siege gingen an die Franzosen Sebastien Loeb und Sebastien Ogier. Dieses Jahr war nicht einmal mehr ein Finne auf dem Podest, Mads Östberg rettete als Dritter die Ehre der Skandinavier.

Ursprünglich hieß es, dass die schnellen, unübersichtlichen Waldpassagen mit den vielen Kuppen den finnischen Piloten entgegenkommen, weil sie in diesen Gegenden aufgewachsen sind und Autofahren gelernt haben. Vor allem auf Schotter und Eis galten die Nordlichter stets als besonders stark, doch der Rallyesport hat sich in den vergangenen zehn Jahren geändert, weiß Volkswagen-Pilot Jari-Matti Matvala.

Dieser Tage wird ein anderer Fahrstil erfordert, was der Finne vor allem auf die Weiterentwicklung der Radaufhängung zurückführt. Quertreiber sind im Rallyesport längst out, schnell ist man nur mit einem präzisen, an die Rundstrecke erinnernden Fahrstil. "Heute ist die Aufhängung so gut und gibt dir so viel Unterstützung, dass man die Kurven fast schon wie mit einem Rundstrecken-Auto anfahren kann", erklärt er.

Er erklärt dies mit Hilfe eines Beispiels, das sich um die legendärste Sonderprüfung der Finnland-Rallye dreht: "Als Solberg seinen Rekord auf der 'Ouninpohja' fuhr, den Ogier jetzt unterboten hat, verfügten die Autos über einen Zwei-Liter-Turbomotor. Jetzt haben wir 1,6-Liter-Turbos, haben einen kleineren Restriktor und ein Drehzahllimit. Die Autos haben wesentlich weniger Leistung und Drehmoment als damals, und trotzdem sind wir schneller. Das ist für ein Anzeichen dafür, dass sich der Fahrstil verändert hat." Er präzisiert dies: "Es gibt jetzt mehr Grip an der Vorderachse."

Eine Entwicklung, die laut Latvala in den 1990er-Jahren begonnen hat. Damals waren die Auto "sehr steif abgestimmt und sind viel herumgerutscht". Daraufhin nahmen sich die Techniker der Radaufhängung an, die immer weicher abgestimmt wurde. "Die Autos begannen sich zu bewegen. Deshalb konnte man die Linie nicht mehr halten", erklärt Latvala, wie sich diese Entwicklung auf den Fahrstil auswirkte. "Heute ist die Traktion deutlich besser, weshalb man die Autos wieder härter abstimmen und trotzdem die Linie halten kann. Der Dämpfer sorgt dafür, dass man Grip hat."

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