Mikko Hirvonen und Jari-Matti Latvala waren jahrelang Ford-Teamkollegen © Ford

Laut dem Finnen konzentrierte sich sein Landsmann als Wasserträger auf Konstanz und wird so nie Weltmeister: "Gefahr, Tempo und Risikobereitschaft zu verlieren"

Einst bildeten Jari-Matti Latvala und Mikko Hirvonen im Ford-Werksteam eine rein finnische Fahrerpaarung, heute sind die beiden Konkurrenten. Während der eine bei Volkswagen im Augenblick nur die zweite Geige spielt, strauchelt der andere als neue Speerspitze bei Citroen und muss sogar um seinen Platz bei den Franzosen fürchten. Für Latvala ist das keine Überraschung: "Ich will ihn nicht kritisieren, aber vielleicht hat er in dieser Position zu viel Druck", sagt er über den alten Weggefährten.

Latvala ist der Meinung, dass sich sein Landsmann mit der Rolle als Nummer-eins-Pilot schwertue. "Mikko wurde als zweiter Fahrer neben Marcus Grönholm aufgebaut", erinnert er an die Jahre 2006 sowie 2007 unter Malcom Wilson und stellt fest: "Mikko hat einen perfekten Job gemacht, wenn es darum ging, was Marcus von ihm verlangt hat." Als Latvala dann 2008 selbst zu Ford stieß, sei diese Rollenverteilung nicht mehr eindeutig gewesen. "Zu dieser Zeit musste er sich darauf konzentrieren, erster Fahrer zu werden. Er brauchte dieses Jahr, um das zu lernen und mit dem Druck umzugehen", blickt Latvala zurück.

Der 28-Jährige räumt ein, 2009 selbst eine "sehr, sehr schlechte Saison" gehabt zu haben und deshalb von Wilson degradiert worden zu sein, wovon Hirvonen im Folgejahr scheinbar profitierte. "Und der Druck stieg nochmals an", weiß Latvala, der die Konsequenz für scheinbar unausweichlich hält: "Er hatte dann keine gute Saison. 2011 waren wir so wieder auf einem Level und er schlug sich achtbar." Es ist die Hirvonen-Achterbahn, die im Kreis rotiert: Durch gute Leistungen befördert, schlechte Ergebnisse durch Beförderung. Latvala meint, dass sich die Spirale bei Citroen nach gleichem Muster weitergedreht hätte.

Citroen nicht mehr so stark wie früher

"Unter Sebastien Loeb war er dann wieder die klare Nummer zwei. Mikko hat wieder den Job gemacht, den er wirklich gut kann." Latvala traut sich nicht, seinen Gedanken fortzuführen: "Erwartet das Team mehr und er soll der bestimmende Fahrer sein..." Lieber unterstellt er dem Freund "der wahrscheinlich konstanteste Fahrer in der Weltmeisterschaft" zu sein und "wirklich gut darin, für ein Team Punkte einzufahren". Doch es gibt eben diesen Hirvonen-Haken und Latvala kann nicht umhin, den Finger in die Wunde zu legen.

Es sind seine eigenen Patzer, die ihn zu der Erkenntnis gelangen lassen: "Wenn man mich fragt, warum Jari-Matti in der Vergangenheit immer wieder Unfälle gebaut hat, dann sage ich, dass ich immer der Meinung war, dass es Tempo braucht." Konstanz sei schön und gut, aber wenn es am Speed mangele, könne niemand Weltmeister werden. "Sich auf Konstanz zu konzentrieren birgt die Gefahr, das Tempo zu verlieren", warnt Latvala. "Spitzenleistungen bedeuten hohes Risiko und es ist schnell passiert, dass man auf ein komfortables Niveau sinkt. 2010 ist mir das widerfahren und es war schwierig, zuzulegen."

Hirvonen machte einen guten Job als Zweitfahrer und investierte genau so viel, wie dafür nötig gewesen ist. Neben der mentalen Verfassung des Piloten sei die aktuelle Krise aber auch der Tatsache geschuldet, dass der Materialvorteil seines französischen Fabrikats perdu sei: "Der Citroen war auf jedem Untergrund außer Schnee das beste Auto", erinnert Latvala an die Ära vor dem Volkswagen-Einstieg. "Jetzt ist er es nicht mehr. Für mich ist das Niveau im Moment sehr ähnlich, aber der Vorteil, wie es ihn zu Zeiten des C4 und des Focus noch gab, ist weg."

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