Sebastien Ogier fährt mit kontrolliertem Risiko dem Sieg in Finnland entgegen © xpbimages.com

Sebastien Ogier kontrolliert am Samstagvormittag das Geschehen bei der Rallye Finnland und geht mit einer halben Minute Vorsprung in die letzten vier Prüfungen

Sebastien Ogier (Volkswagen) liegt bei der Rallye Finnland, dem achten Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft 2013, klar auf Kurs zu seinem fünften Saisonsieg. Der Franzose ging am Vormittag kein übertriebenes Risiko ein und verwaltete seinen Vorsprung in der Gesamtwertung. Lediglich auf der legendären "Ouninpohja" fuhr der Franzose die Bestzeit, auf den übrigen Wertungsprüfungen überließ er seinen Verfolgern Mads Östberg und Thierry Neuville (beide Ford) die WP-Siege.

Mit einem beruhigenden Vorsprung von 31,5 Sekunden auf Östberg geht Ogier in die letzten vier WP der Rallye Finnland. Spannend bleibt es im Kampf um Rang zwei. Dort hat Neuville nur 2,8 Sekunden Rückstand auf Östberg. Auf den Rängen vier und fünf der Gesamtwertung folgen die Citroen-Piloten Mikko Hirvonen und Kris Meeke, die aus eigener Kraft aber nicht mehr in den Kampf um das Podium eingreifen können.

Zu Beginn des letzten Rallye-Tages war das Wetter nicht mehr so gut wie noch am Freitagnachmittag, als Sonnenschein die Teilnehmer und Zuschauer verwöhnte. Bedeckter Himmel, Temperaturen von knapp 15 Grad Celsius und feuchte Straßen erwarteten die Rallye-Piloten.

WP16: Ogier lässt es ruhig angehen

Um 8:26 Uhr Ortszeit eröffnete die 14,95 Kilometer lange "Surkee" den Schlusstag der Rallye Finnland. Die meisten Piloten gingen früh am Morgen kein großes Risiko ein sondern versuchten in einen guten Rhythmus zu kommen. Das gelang nicht allen gleichermaßen. "Ich bin an einer Abzweigung von der Linie abgekommen und habe fünf oder sechs Sekunden verloren", berichtete Neuville. Auch Meeke legte einen 360-Grad-Dreher hin, nachdem er eine Abzweigung verpasst hatte, und verlor rund zehn Sekunden.

Nachdem Ogier am Freitag sechs Wertungsprüfungen in Folge gewonnen hatte, sicherte sich zum Auftakt des Samstags Östberg seine dritte WP-Bestzeit der Rallye Finnland. Der Norweger war zwei Sekunden schneller als Hirvonen, auf Rang drei platzierte sich dessen Landsmann Jari-Matti Latvala (Volkswagen). Dessen Teamkollege Ogier ließ es ruhig angehen, verlor aber nur 5,5 Sekunden auf Östberg. "Ich habe mir etwas Zeit genommen, um in den Tag zu kommen. Bei der ersten WP starte ich gerne so, nun werde ich meinen Rhythmus steigern", erklärt der Franzose.

WP17: Dritte WP-Bestzeit für Neuville

Auf der 9,65 Kilometer langen "Leustu" blieben die WRC-Piloten von Dramen verschont. Die Bestzeit fuhr Neuville, der bei seiner Fahrt allerdings noch Luft nach oben sieht: "Der Rhythmus ist sehr gut, nicht perfekt, aber gut. Ich habe einige kleine Fehler gemacht", sagt der Belgier. Östberg war nur 0,9 Sekunden langsamer als Neuville - das Duell der beiden Piloten um Gesamtrang zwei geht damit weiter. Ogier verlor als Dritter auf WP 17 nur 1,2 Sekunden auf Östberg und behauptete in der Gesamtwertung über 30 Sekunden Vorsprung.

WP18: Ogier König der "Ouninpohja"

33,01 Kilometer, unzählige Sprungkuppen und die höchst Durchschnittsgeschwindigkeit aller WP im Kalender der Rallye-WM: Die "Ouninpohja", die seit dem vergangenen Jahr wieder gefahren wird, ist der unumstrittene Höhepunkt der Rallye Finnland. Im Ziel bekamen die meisten Fahrer das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. "Diese Prüfung in einem Volkswagen zu fahren ist absolut verblüffend", staunte beispielsweise Andreas Mikkelsen.

"Unglaublich, es macht so viel Spaß", sagt Mini-Pilot Jarkko Nikara. Meeke meinte: "Das waren mit Ausnahme meiner Hochzeit die besten 15:42,5 Minuten meines Lebens. Du sitzt im ersten Wagen einer Achterbahn und kontrollierst die Geschwindigkeit." Und für Ogier erfüllte sich ein langgehegter Wunsch: "Ich habe davon geträumt, diese Prüfung in einem World-Rally-Car zu fahren. Es war erstaunlich, sehr schön."

Diese Freude am Fahren beflügelte den WM-Spitzenreiter, mit 15:26,7 Minuten fuhr der Franzose die Bestzeit - das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit(!) von über 128 km/h. Trotz der langen Strecke waren die Abstände aber sehr gering. Hirvonen als Zweiter war nur 2,0, Neuville als Dritter nur 2,7 Sekunden langsamer. Östberg verlor 5,2 Sekunden auf Ogier, in der Gesamtwertung schob sich Neuville um 0,3 Sekunden am Norweger vorbei.

WP19: Östberg schlägt zurück

Diese Bild änderte sich aber nach der 7,49 Kilometer langen "Painaa", die als letzte Prüfung vor dem Mittagsservice gefahren wird. Dort schlug Östberg zurück und eroberte dank der Bestzeit auf WP19 Gesamtrang zwei zurück. Neuville war um 3,1 Sekunden langsamer, hatte dafür aber eine Erklärung: "Mads hatte besser Reifen als ich. Ich habe alles gegeben, es war eine gute WP für uns." Hirvonen fuhr auf Rang drei, Ogier büßte als Fünfter sechs Sekunden auf Östberg ein, hat aber immer noch ein großes Polster.

In der WRC2 ist die Reihenfolge unverändert. Jari Ketomaa (Ford) im neuen Fiesta R5 führt weiterhin souverän die Klasse an. Sein Vorsprung auf Robert Kubica (Citroen) beträgt mehr als eineinhalb Minuten. Dritter der WRC2-Gesamtwertung ist weiterhin Haydon Paddon (Skoda). Zum Abschluss der Rallye Finnland werden die vier Wertungsprüfungen am Nachmittag noch einmal durchfahren. "Painaa" ist dabei als letzte WP der Rallye zugleich auch die Power-Stage, bei der die schnellsten drei Fahrer Zusatzpunkte erhalten.

Gesamtwertung nach WP19 (Top 10):

01. Sebastien Ogier (Volkswagen) - 2:11:11,5 Stunden

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