Sebastien Ogier dominierte am Nachmittag das Geschehen © Volkswagen

Nach einer dominanten Vorstellung am Freitagnachmittag liegt Volkswagen-Pilot Sebastien Ogier bei der Rallye Finnland nun deutlich in Führung

Nachdem die Rallye Finnland, der achte Saisonlauf der Rallye-Weltmeisterschaft 2013, am Donnerstag fast im Regen versunken wäre, lachte am Freitagnachmittag die Sonne über den finnischen Wäldern. Und sie lachte vor allem für einen Piloten: WM-Spitzenreiter Sebastien Ogier (Volkswagen). Nachdem der Franzose am Vormittag noch konservativ gefahren war, griff er am Nachmittag an und zeigte seinen Konkurrenten die Grenzen auf. Ogier gewann alle vier Wertungsprüfungen und führt nun mit einem deutlichen Vorsprung von 36,3 Sekunden auf Thierry Neuville.

"Es war wirklich gut. Es ist nicht so einfach, aber ich bin sehr glücklich mit diesem Nachmittag", freut sich Ogier über seine Leistung. Trotz des klaren Vorsprungs ist sich der Volkswagen-Pilot seines Sieges aber lange noch nicht sicher: "Morgen wird es ein langer Tag, daher ist es noch nicht vorbei." Ogier gelang am Nachmittag eine fehlerfreie Fahrt, während seine Konkurrenten Neuville, Mads Östberg (Ford) und Mikko Hirvonen (Citroen) Reifenschäden erlitten.

In der Gesamtwertung ist Östberg, der sich am Vormittag noch ein spannendes Duell mit Ogier geliefert hatte, nach einem Plattfuß auf WP14 mit 38,3 Sekunden Rückstand Dritter. Hirvonen hat als Vierter schon 59,7 Sekunden Rückstand. Kris Meeke (Citroen) liegt bei seiner ersten WRC-Rallye seit eineinhalb Jahres als Fünfter (+ 1:32,7 Minuten) weiterhin gut im Rennen. Sechster ist Mini-Pilot Jarkko Nikara (+ 2:17,0), nachdem Andreas Mikkelsen (Volkswagen) mit Aufhängungsdefekt ausschied.

WP11: Ogier zurück an der Spitze

Ogier zeigte direkt nach der Mittagspause, dass er trotz aller Gedanken an die Meisterschaft nicht gewillt ist, den Sieg in Finnland kampflos herzugeben. Bei der zweiten Durchfahrt der 21,9 Kilometer langen "Jukojärvi" gewann der Franzose seine fünfte WP bei der Rallye Finnland und sorgte damit bereits für den neunten Führungswechsel. "Alles war in Ordnung, ich musste auf die Reifen aufpassen, denn der Nachmittag ist lang. Ich muss angreifen", so Ogier. Östberg verlor 4,6 Sekunden auf Ogier, Neuville war 5,1 Sekunden langsamer als der Volkswagen-Pilot.

Bei der zweiten Durchfahrt der Prüfung war die Straße schon deutlich ausgefahrener, was einige Piloten zu spüren bekamen. "Die Spurrillen sind ein wenig seltsam, ich konnte sie nicht zu 100 Prozent nutzen. Wenn man sich dort anlehnt, kann man deutlich schneller fahren", sagt Östberg. Andreas Mikkelsen (Volkswagen) berichtet: "Es war sehr hart, wir liegen zu tief." Martin Prokop (Ford) musste seinen Fiesta zwei Kilometer vor dem Ende der WP abstellen, nachdem die Wassertemperatur auf 140 Grad Celsius gestiegen war.

WP12: Schrecksekunde für Hirvonen

Die zweite Durchfahrt der "Palsankylä" (13,92 Kilometer) wäre Hirvonen um ein Haar zum Verhängnis geworden. Im Ziel war der linke Vorderreifen von der Felge gerutscht, doch der Finne war froh, dass er überhaupt noch in der Rallye war: "Ich habe in einer Kurve im fünften Gang die Böschung getroffen und hätte mich fast überschlagen. Zum Glück war es nur ein 360-Grad-Dreher", berichtet der Citroen-Pilot. Bei dem Dreher wurden zwei Reifen beschädigt, die Hirvonen aber wechseln konnte. Allerdings verlor er 23,6 Sekunden auf den Schnellsten.

Das war wieder einmal Ogier. Der Franzose setzte seine Ankündigung in die Tat um und legte am Nachmittag zu. Seinem Verfolger Östberg brummte er 6,1 Sekunden auf, wodurch sein Vorsprung in der Gesamtwertung auf 9,9 Sekunden anwuchs. Nach Hirvonens Missgeschick übernahm Neuville, der auf WP12 Zweitschnellster war, Position drei in der Gesamtwertung. "Es wäre nicht schneller gegangen. Ich bin Vollgas gefahren, in einigen Spurrillen hat es mir sogar das Lenkrad aus der Hand geschlagen", berichtet der Belgier.

WP13: Ogier setzt sich ab - Konkurrenten in Problemen

Auch auf der 13,74 Kilometer langen "Mökkiperä2" setzte Ogier seine furiose Vorstellung des Freitagnachmittags fort und gewann die vierte WP in Folge. Kris Meeke und der bisher völlig indisponierte Dani Sordo (beide Citroen) setzten als Zweiter beziehungsweise Vierter ein Ausrufezeichen. Dazwischen platzierte sich Östberg. In der Gesamtwertung baute Ogier seine Führung auf 12,4 Sekunden aus - und das im "Schongang": "Wir haben uns hier etwas zurückgehalten. Wir müssen uns auf die Spurrillen konzentrieren und Reifenschäden vermeiden", sagt Ogier.

Die Konkurrenz musste derweil Federn lassen. Neuville erreichte das Ziel der WP mit einem Reifenschaden vorne links: "Nach einem großen Sprung habe bei der Landung gleich gespürt, dass etwas nicht stimmt. Ich dachte zuerst, die Lenkung wäre beschädigt, aber dann spürte ich, dass es der Reifen ist", sagt der Belgier. Auch Hirvonen litt unter den Folgen seines Highspeed-Drehers und verlor weitere Zeit: "Der Dämpfer hinten rechts ist wahrscheinlich gebrochen, das Auto lässt sich sehr schwierig fahren. Vielleicht ist auch die Aufhängung beschädigt", so der Finne.

WP14: Reifenschaden bei Östberg - Mikkelsen raus

Die Materialschlacht setzte sich auf auf der vorletzten WP des Freitags, der 23,66 Kilometer langen "Lankamaa2" fort. Die aufgrund des große Starterfeldes tiefen Spurrillen machten bei der zweiten Durchfahrt der Prüfung einigen Fahrern zu schaffen. So erlitt auch Östberg einen Reifenschafen. "Es ist unglaublich, mit diesen Spurrillen ist es eine Lotterie", klagt der Norweger.

Noch schlimmer erwischte es Mikkelsen. Als der Norweger ins Ziel kam, fehlte an seinem Polo R WRC die komplette rechte hintere Radaufhängung - was diesen sehr überraschte: "Ich habe nichts getroffen. Ich spürte Vibrationen, und zwei Kilometer vor dem Ziel muss dann das Rad abgefallen sein." Für Mikkelsen ist der Freitag damit vorzeitig beendet, er soll morgen unter Rally2-Regel wieder starten.

Den Abschluss des zweiten Tages der Rallye Finnland bildet wie schon am Donnerstag die Super Special "Killeri". Bei der nur 2,06 Kilometer langen Show-Prüfung, bei der die Piloten auf Parallelkursen in direkten Duellen gegeneinander antreten, sind jedoch keine großen Zeitunterschied zu erwarten.

Gesamtwertung nach WP14 (Top 10):

01. Sebastien Ogier (Volkswagen) - 1:37:12,8 Stunden

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