Jost Capito hat für Mexiko sowohl Citroen als auch Ford auf der Rechnung © xpbimages.com

Volkswagen-Motorsportdirektor Jost Capito hält sich mit einer Einschätzung des Potenzials des Polo R WRC noch zurück, ist für Mexiko aber optimistisch

Die WRC-Debütsaison von Volkswagen verläuft bisher absolut nach Plan. Mehr noch: Angesichts der Tatsache, dass Sebastien Ogier in Schweden bereits beim zweiten Auftritt des Polo R WRC den ersten Sieg einfuhr und die Fahrerwertung vor dem dritten Saisonlauf (7. bis 10. März in Mexiko) anführt, wurden die eigenen Erwartungen sogar übertroffen. Inzwischen geht man die kommenden Aufgaben mit einem gesunden Selbstvertrauen an.

"Vor Monte Carlo waren wir komplett ahnungslos, wie konkurrenzfähig wir sind und was passiert", gesteht Volkswagen-Motorsportdirektor Jost Capito und erklärt den Anteil am Erfolg bei den beiden ersten Saisonläufen in Monte Carlo und Schweden, wo Sebastien Ogier auf den Plätzen zwei und eins ins Ziel kam: "In Monte Carlo waren es 90 Prozent Fahrer und zehn Prozent Auto. In Schweden war es dann schon ein bisschen mehr Auto, ein bisschen weniger Fahrer."

Für die anstehende Schotterrallye in Mexiko erwartet Capito "einen noch höheren Prozentsatz Auto". Das Ergebnis der Rallye Schweden, das neben Sieger Ogier auch dessen Teamkollegen Jari-Matti Latvala in den Top 5 sah, bezeichnet der Volkswagen-Motorsportdirektor zwar als wegweisend, will von einer Favoritenrolle aber nichts wissen: "Das hat natürlich Selbstvertrauen gestärkt - ganz klar. Es hat uns aber ganz sicher nicht überheblich gemacht."

Zuverlässigkeit als großer Pluspunkt

"Es ist natürlich schön, dass uns in Schweden wieder die Zuverlässigkeit des Fahrzeugs zu Gute kam, aber wir glauben auch, dass das Team in diesem Jahr noch Fehler macht. Wenn aber am Auto keine Probleme auftreten, dann kommen auch keine unvorhergesehenen Situationen", sagt Capito und unterstreicht die Stärke von Volkswagen in der ersten Saison auf internationaler Rallye-Bühne: "Mit den Standardsituationen kommt das Team hervorragend zurecht. Wenn nur Standardsituationen auftreten, dann passieren keine Fehler. Das ist uns in Schweden natürlich zu Gute gekommen."

Ob in der Höhenluft von Mexiko, wo in der kommenden Woche der dritte von 13 WRC-Saisonläufen stattfindet, Citroen oder Ford der härteste Gegner für Volkwagen sein wird, vermag Capito noch nicht zu beurteilen. "Sie sind beide stark. Wir unterschätzen sicher keinen - vor allen Dingen in Mexiko, weil es eben so speziell ist", spricht der Deutsche die große Höhe über dem Meeresspiegel an und stellt heraus: "Beide Teams haben sehr viel Erfahrung in Mexiko. Diese Erfahrung fehlt uns noch. Daher schätzen wir beide extrem stark ein. Wir sind zuversichtlich, wissen aber nicht, wo wir wirklich stehen."

Mexikanische Höhenluft sorgt für eigene Gesetze

Ende des vergangenen Jahres unternahm Volkswagen in Mexiko ausgiebige Testfahrten. "Wenn wir das nicht gemacht hätten, dann würden wir in Mexiko uralt aussehen", meint Capito in seiner Vorausschau auf den dritten Saisonlauf und stellt den konkreten Wert der Testfahrten heraus: "Wir haben dort Sachen am Auto gefunden, die man auf dem Prüfstand nicht finden kann"

"Ein Punkt ist zum Beispiel das Startverhalten - das Mapping der Elektronik und wie das Fahrzeug anspricht", verweist der Volkswagen-Motorsportdirektor auf die Auswirkungen der mexikanischen Höhenluft auf die Technik. Hätte man auf den mittelamerikanischen Pisten nicht getestet, dann wäre man im Falle eines erst bei der dortigen Rallye entdeckten Problems am Polo R WRC laut Capito weit im Programm zurückgefallen.

Doch auch mit den Mexiko-Testfahrten im Rücken, hält man sich bedeckt. "Wir gehen davon aus, dass das Auto in der Höhe gut läuft und wir sind zuversichtlich, dass wir konkurrenzfähig sein können, aber wir sind nicht sicher", so Capito. Für eine Einschätzung der Konkurrenzfähigkeit des Polo R WRC über die Saison hinweg sei es ohnehin noch zu früh. Eine solche Einschätzung sei "erst nach Portugal" möglich, wie der Volkwsagen-Motorsportdirektor betont. In Portugal findet vom 11. bis 14. April der vierte von 13 WRC-Saisonläufen und gleichzeitig der zweite von acht auf Schotter statt.

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