Timo Glock bestritt in seiner Karriere 91 Formel-1-Rennen © imago

Bei SPORT1 spricht Timo Glock über seinen Stotterstart in der DTM, den ersten Sieg und Unterschiede zur Königsklasse.

Von Jan Reinold und Tobias Wiltschek

München - Wie heißt es doch so schön: Das Beste kommt zum Schluss.

Bei Timo Glock war das in diesem Jahr nicht anders. Im allerletzten Rennen der DTM-Saison 2013 bretterte der BMW-Pilot zum Sieg - seinem ersten in der Tourenwagenserie (Nachbericht).

Mit seinem überraschenden Erfolg auf dem Nürburgring rettete Glock nicht nur eine ansonsten eher mäßige Premieren-Saison in der DTM.

Dem 31-Jährigen gelang etwas, das zuvor nur Jean Alesi und Mika Häkkinen geschafft hatten: Als ehemaliger Formel-1-Pilot einen Grand Prix der Deutschen Tourenwagen Masters zu gewinnen.

Bei SPORT1 spricht Glock über die abgelaufene Saison, das Schattendasein der DTM hinter der Formel 1 - und Sebastian Vettels Dominanz in der Königsklasse.

SPORT1: Herr Glock, hat Ihnen Mika Häkkinen schon gratuliert?

Timo Glock: Nein, er wird meine Telefonnummer nicht haben. Ich weiß auch nicht, ob er mir gratulieren möchte.

SPORT1: Vor dem Sieg beim Saisonfinale hatten Sie nur in Spielberg gepunktet. Inwieweit hat Hockenheim die Sicht auf ihre Premieren-Saison in der DTM verändert?

Glock: Meine erste Saison war sehr schwierig. Ich hatte nicht erwartet, dass es so schwierig wird. Das zeigt aber auch die Leistungsdichte in der DTM, die ist unglaublich hoch. Der Sieg in Hockenheim war auf jeden Fall eine Rettung der letzten Rennen, denn ab dem Lausitzring lief es bei uns nicht mehr so richtig. Aber wir haben auch ein bisschen Pech gehabt. In Hockenheim hat alles gepasst. Deshalb bin ich sehr glücklich über den Sieg.

SPORT1: Wo rangiert der Triumph in Hockenheim in Ihrer persönlichen Hitliste der Motorsport-Erfolge?

Glock: Den siedele ich ziemlich weit oben an. Ich hatte zuletzt 2007 das Podium erreicht. Der Sieg kommt in die Top 3. Wenn man so lange darauf wartet, ist es schon etwas Besonderes, wenn man wieder gewinnt.

SPORT1: Sie haben gesagt, der Umstieg auf die DTM sei Ihnen schwerer gefallen, als Sie das vorher erwartet hätten. Sind Sie vor der Saison von Kollegen gewarnt worden?

Glock: Natürlich habe ich mit dem einen oder anderen gesprochen. Die können dir sagen, wie schwer es ist, aber die Erfahrung musst du selber machen. Wenn man ein DTM-Auto nicht versteht und es selbst nicht hinbekommt, helfen dir auch Tipps nur wenig weiter.

SPORT1: Was war für Sie die größte Herausforderung beim Umstieg von der Formel 1 auf die DTM?

Glock: Das Auto, sein höheres Gewicht und die deutlich geringere Leistung. Auch die Reifen sind sehr speziell. Das macht es unheimlich schwierig, den Formel-1-Stil abzulegen und sich den DTM-Stil anzueignen. Man neigt dazu, das Auto zu überfahren und etwas zu spät zu bremsen. Da verliert man hier eine Zehntel und da eine Zehntel auf die Top-Fahrer, und dann steht man im Nirgendwo.

SPORT1: Kann man sagen, dass die DTM im Vergleich zur Formel 1 ein Schritt zurück ist?

Glock: Nein, denn es ist ein ganz anderes System, ein anderes Konzept. Man darf einen Tourenwagen nicht mit einem Formel-1-Auto vergleichen. Das Regelwerk in der DTM ist anders, die Kosten sollen niedrig gehalten werden. Die Entwicklung der Autos ist dadurch eingeschränkt. Das macht in meinen Augen auch Sinn. Die Leute wollen spannende Rennen und knallharte Zweikämpfe sehen - und nicht unbedingt das schnellste Auto.

SPORT1: Gab es einen Knackpunkt in der Saison, als Sie gemerkt haben, dass Sie in der DTM angekommen sind?

Glock: Der kam in Zandvoort. Aber ich weiß, dass ich noch nicht alles aus mir rausgeholt habe, ich kann noch einen Schritt nach vorne machen. Nur: Das braucht seine Zeit. Journalisten vergessen gerne, dass auch Kollegen wie Mike Rockenfeller, Timo Scheider oder Mattias Ekström Zeit gebraucht haben, bis sie erfolgreich waren. Wenn ehemalige Formel-1-Fahrer nicht sofort erfolgreich sind, werden sie schnell abgestraft.

SPORT1: Wie sehr hat es Sie geärgert, dass auch Ihnen schon ein Scheitern vorausgesagt wurde?

Glock: Die Rufe kamen ja schon nach dem vierten, fünften Rennen auf. Aber so etwas motiviert mich eher. Ich habe gewusst und das auch in Spielberg gezeigt, dass, wenn das Auto stimmt, es dann funktionieren kann. Das hat in Zandvoort angefangen, Hockenheim hat es für alle gezeigt. Das macht einen stolz und befreit auch ein bisschen vom Fluch der Formel-1-Fahrer.

SPORT1: DTM-Chef Aufrecht möchte die Rennserie noch attraktiver machen. Was halten Sie von diesen Plänen?

Glock: Die Spannung kann man schon noch steigern, aber man muss aufpassen, dass man nicht zu viel ändert. Die Autos brauchen einen schmaleren Reifen und dafür 175 PS mehr, weil wir momentan zu wenig Leistung haben.

SPORT1: Blieb Ihnen trotz Ihres Engagements in der DTM noch Zeit, um die Formel 1 zu beobachten?

Glock: Das eine oder andere Rennen habe ich schon verfolgt. Die Kombination aus Red Bull und Sebastian Vettel hat wieder überzeugt, sie hat die Konkurrenz ziemlich alt aussehen lassen. Vielleicht lässt sich Sebastian mit dem Titel noch ein bisschen Zeit. In Indien kann man nicht so gut feiern, in Abu Dhabi hat er mehr Spaß. Auf der anderen Seite kenne ich ihn relativ gut, er wird die letzten Rennen auch noch gewinnen wollen.

SPORT1: Haben Sie damit gerechnet, dass Sebastian Vettel und Red Bull wieder so dominieren?

Glock: Man musste ja fast damit rechnen, weil sie die letzten Jahre schon so dominant waren. Das ist ähnlich wie zu Zeiten von Michael Schumacher und Ferrari. Momentan sind sie allen anderen einen Schritt voraus - und können das auch beibehalten.

SPORT1: Manche sagen, Vettels Dominanz schade der Formel 1. Wie sehen Sie das?

Glock: Es liegt an der Konkurrenz, dieser Dominanz einen Riegel vorzuschieben. Die Formel 1 kann ja schlecht sagen, wir legen Vettel nun zusätzlichen Ballast ins Auto, damit er langsamer fährt.

Weiterlesen