Mike Rockenfeller baute seinen Vorsprung im Gesamtranking auf 27 Punkte aus © getty

Audi feiert in Moskau einen Doppelsieg, eine Sondergenehmigung schützt vor erneutem Putin-Ärger. Spengler erlebt ein Desaster.

Moskau - Breit grinsend stand Mike Rockenfeller auf dem Podium des Moskau Raceway.

Vor Mattias Ekström hatte der Gesamtführende den Audi-Doppelsieg beim ersten DTM-Rennen in Russland eingefahren, es war das Happy End für die Ingolstädter nach der Wasserflaschen-Affäre um Ekström - und nicht einmal Wladimir Putin konnte das verhindern an einem so chaotischen Rennwochenende vor den Toren der Hauptstadt. (DATENCENTER: Der DTM-Kalender 2013)

Diese Sorge gab es zwischenzeitlich tatsächlich, denn noch am Samstag hatte eine zweistündige Sperrung des Luftraums über dem neuen Kurs für den vorzeitigen Abbruch des Qualifyings gesorgt (Bericht) - Grund war anscheinend der Überflug des Staatspräsidenten Putin.

"Dann muss man viele Punkte holen"

Eine weitere Posse für die Tourenwagenserie, nur drei Wochen nach der viel kritisierten Disqualifikation des Schweden Ekströms am Norisring.

Rockenfeller kümmerte all das am Sonntag nicht mehr. Ein "absolut perfektes Rennen" bescheinigte Audis DTM-Leiter Dieter Gass dem 29-Jährigen.

Ob es der nächste Schritt hin zu seiner ersten Meisterschaft war, wurde dieser vor der ARD-Kamera gefragt. "Wenn man Meister werden will", sagte Rockenfeller lapidar, "muss man viele Punkte holen. Deshalb war es wichtig, hier zu gewinnen. Es war ein tolles Rennen, alles hat super funktioniert. Ich muss mich beim Team bedanken."

Schwarzer Tag für Spengler

In der Gesamtwertung liegt Rockenfeller mit nun 94 Punkten bereits 27 Zähler vor Titelverteidiger Bruno Spengler (BMW/67) aus Kanada, der nach einem missratenen Rennen nur 18. wurde.

Der englische Vizemeister Gary Paffett (Mercedes) musste sich mit dem fünften Platz begnügen und liegt nun mit 57 Zählern auf Rang drei des Klassements. "Das war Schadensbegrenzung", sagte Paffett: "Ich bin einigermaßen zufrieden, mehr war nicht drin."

Der frühere Formel-1-Pilot Timo Glock (Wersau/BMW) verpasste erneut die Punkteränge und wurde nur 15.

Sondergenehmigung für die Luftrettung

Die Tribünen rund um den 2,555 km langen Kurs waren gut gefüllt am Sonntag, 45.000 Fans waren es am gesamten Wochenende - das mit Spannung erwartete erste Rennwochenende in Russland wurde damit doch noch zu so etwas wie einem Erfolg für die DTM.

Am Samstag hatte dies im Zweifel gestanden. Das Kuriosum um die Luftraumsperrung kam ohne jede Vorwarnung. Der Grund für den Abbruch: Der Rettungshubschrauber konnte nicht mehr ausrücken, eine sichere Ausführung des Qualifyings war damit nicht zu gewährleisten.

Am Sonntag waren die offiziellen Stellen eilig um Entwarnung bemüht, eine Sondergenehmigung schließe einen ähnlichen Vorfall aus. "Für uns ist der Himmel auf jeden Fall geöffnet", sagte der Helikopter-Pilot in der "ARD": "Wenn etwas passiert, fliegen wir."

Keine Verschiebungen beim Start

Rockenfeller, der durch den Abbruch als bis dahin Schnellster die Pole Position bekam, hatte all dies gelassen kommentiert. "Andere Länder, andere Sitten", sagte der 29-Jährige: "Mal schauen, was es sonst noch für Überraschungen in Russland gibt."

Doch weitere Zwischenfälle blieben aus, wie geplant rollten die Autos um 13.30 Uhr vor gut gefüllten Tribünen auf die Startplätze.

Auf den ersten drei Rängen änderte sich nach dem Start nichts, Rockenfeller hielt seine Position vor Ekström und dem am Ende drittplatzierten Augusto Farfus (BMW) - doch dahinter erlebte Spengler ein Debakel.

Privatduell zweier Audi-Piloten

Der Kanadier verlor zunächst Position um Position, nach nur drei Runden kollidierte er mit dem Audi von Miguel Molina (Spanien) und musste sich als Letzter wieder einreihen.

"Mein Rennen war im Eimer", sagte Spengler bitter: "Manche Fahrer haben einen sehr unfairen Fahrstil, das ist bitter."

Am anderen Ende des Feldes legte sein großer Konkurrent Rockenfeller eine Bestzeit nach der anderen hin und baute seinen Vorsprung aus.

In der Folge wurde das Rennen zum Privatduell zwischen dem Mann aus Neuwied und Ekström, auch dank starker Boxenstopps fuhr Rockenfeller den Sieg mit einer guten Sekunde Vorsprung nach Hause.

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