Audi-Pilot Mike Rockenfeller führt die DTM-Gesamtwertung an © imago

Durch das erste DTM-Rennen in der russischen Hauptstadt gerät die Wasserflaschen-Affäre am Norisring in den Hintergrund.

Köln/Moskau - Im Hintergrund erhoben sich die mächtigen roten Mauern des Kreml, und Mike Rockenfeller rührte kräftig die Werbetrommel.

Mit seinem Audi RS 5 malte der Spitzenreiter der DTM rauchende Kreise auf den Asphalt vor dem Roten Platz in Moskau, er warb für den sechsten Saisonlauf der Tourenwagenserie, die am Sonntag (13.30 Uhr) ihre Premiere auf russischem Boden feiert (DATENCENTER: Der DTM-Kalender 2013).

"Das war schon cool, mitten in einer solchen Stadt ein DTM-Auto zu steuern", sagte der Mann aus Neuwied.

100.000 Zuschauer auf dem Roten Platz

Im Rahmen der Motorsportshow Moscow City Racing hatte sich die DTM dem russischen Publikum präsentiert. Es war eine gewaltige Show, mehr als 100.000 Zuschauer waren gekommen - das sind die Bilder, die man sich wünscht in der DTM.

Denn Ablenkung ist dringend notwendig nach der viel kristisierten Wasserflachen-Affäre um Audi-Pilot Mattias Ekström. Der Schwede war nach seinem Sieg am Norisring disqualifiziert worden, weil er im Parc ferme mit Wasser begossen wurde.

Unter der Woche entschied das Berufungsgericht des Deutschen Motorsport Bundes nun, dass der Lauf in Nürnberg ohne offiziellen Sieger bleiben wird.

Regeländerungen sind angedacht

Die Wut der Fans hat dies weiter angefacht, zu beobachten etwa im offiziellen Internet-Forum der DTM. "Der Rennsport ist tot", heißt es dort unter anderem, zahlreiche Fans kündigten der DTM die Gefolgschaft.

Die Rennserie will reagieren. Regeländerungen seien angedacht, sagt Hans Werner Aufrecht, Vorstandsvorsitzender des DTM-Rechteinhabers ITR - und hofft ansonsten auf die Öffentlichkeitswirkung des Neuen.

"Unsere volle Konzentration gilt jetzt wieder dem Sport, wir freuen uns auf unsere Premiere in Russland", sagte der 74-Jährige, der Titelkampf solle nun im Vordergrund stehen.

Unbekannte Strecke für Fahrer und Teams

Und wenigstens auf diesen hatte die Entscheidung vom Norisring keinen allzu großen Einfluss. An der Spitze steht weiter der überraschend starke Rockenfeller (69 Punkte) vor Titelverteidiger Bruno Spengler (Kanada/67) im BMW.

Als Dritter reist Mercedes-Pilot Christian Vietoris (55) zum Moscow Raceway, den noch keiner der Fahrer und noch keines der Teams kennt.

Dort, 80 km vor den Toren der russischen Hauptstadt, will die DTM ihre internationalen Ambitionen pflegen. Derartige Rennen in Metropolen sollen die Strahlwirkung der DTM in Deutschland verstärken, heimische Zuschauer vor den Bildschirm ziehen. Viel wichtiger jedoch, und das betonen alle Beteiligten: Die Serie will dahin, wo die Märkte sind.

"Russland ein immens wichtiger Markt"

"Dem Wunsch der Hersteller, in den Zukunftsmärkten zu fahren, müssen wir gerecht werden", sagte Aufrecht unlängst. Die DTM ist vor allem PR-Plattform für Audi, BMW und Mercedes.

"Russland ist ein immens wichtiger Markt mit einer der größten Zuwachsraten der Welt", sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. Auch die Rückkehr nach China im kommenden Jahr steht in diesem Zeichen, genau wie das technische Kooperationsabkommen mit Japan und den USA.

Ein neues Logistik-Konzept soll diese kostenintensiven Auftritte erschwinglich machen für eine Serie, die in den vergangenen Jahren viel getan hat, um ihre Ausgaben zu reduzieren.

Gelungene Generalprobe

"Solche Rennen sind deutlich belastender für das Budget", sagt Audis DTM-Leiter Dieter Gass. "Man muss schauen, wie man diese Auslandsziele realisiert, ohne dass die Kosten explodieren."

Sinn machen derartige Auftritte ohnehin nur, wenn diese vor Ort von den Zuschauern angenommen werden und im Land über die DTM berichtet wird.

Zumindest die Generalprobe am Roten Platz weckte nun Hoffnungen auf eine erfolgreiche Zukunft in Russland.

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