Der Schotte Dario Franchitti gewinnt zum dritten Mal die Indy 500 © getty

Den Triumph bei den 500 Meilen von Indianapolis widmet der Schotte dem verstorbenen Dan Wheldon. Barrichello glückt das Debüt.

Indianapolis/Köln - Im Augenblick seines dritten Triumphes bei den legendären 500 Meilen von Indianapolis war Dario Franchitti in Gedanken bei seinem tödlich verunglückten Freund Dan Wheldon.

"An Dans Seite zu stehen, bedeutet mir mehr als alles andere", sagte der frühere DTM-Pilot aus Schottland, gab seiner Frau, Hollywood-Schauspielerin Ashley Judd, ein Küsschen und nahm dann Wheldons Witwe Susie in den Arm, die im vorigen Jahr noch mit ihrem Mann dessen zweiten Indy-Sieg gefeierte hatte.

Milchdusche mit Wheldon-Brille

Bei der traditionellen Milchdusche und dem obligatorischen Küsschen für den Brickyard, den Zielstrich aus Ziegelsteinen, trug Franchitti eine weiße Sonnebrille.

Die war das Markenzeichen von Wheldon, der 2011 beim Saisonfinale der IndyCar-Serie in Las Vegas ums Leben gekommen war und bei Franchitti die Freude über den Meistertitel durch eine tiefe Leere ersetzt hatte.

Vom letzten Platz zur Krönung

"Vegas war der tiefste Tiefpunkt, aber der Grund dafür, warum wir alle wieder ins Auto steigen, warum alle Mechaniker wieder in die Boxengasse gehen und die Fans wieder zu den Rennen kommen, sind die Emotionen an Tagen wie diesen", sagte Franchitti.

Der 39-Jährige hatte sich nach einer frühen Kollision in der Boxengasse vom Ende des Feldes zurück bis an die Spitze gekämpft.

"Kein anderes Gefühl kommt daran heran, in der Siegerstraße zu stehen. Was für ein Rennen. Ich glaube, Dan Wheldon wäre stolz darauf", erklärte Franchitti.

Triple für Franchitti

Für den viermaligen IndyCar-Champion war es das dritte Mal nach 2007 und 2010, dass er in Indianapolis in die "Victory Lane" einbiegen durfte.

Damit ist Franchitti erst der zehnte Fahrer seit der ersten Austragung der Indy 500 im Jahr 1911, der dreimal triumphierte. Häufiger durften nur noch die Amerikaner A.J. Foyt, Al Unser und Rick Mears die Siegermilch genießen, jeweils viermal.

Sato-Angriff abgewehrt

Im zweitheißesten Rennen der Indy-Geschichte bei 32,7 Grad im "Nudeltopf" und dem mit 34 Führungswechseln bislang abwechslungsreichsten hatte Franchitti in der letzten Runde noch einen Angriff des früheren Formel-1-Piloten Takuma Sato abwehren müssen.

Sato aber drehte sich bei der gewagten Attacke ließ die Hoffnungen auf den ersten japanischen Indy-Sieg an der Begrenzungsmauer zerschellen.

Dixon wird Zweiter

Die dadurch ausgelöste Gelb-Phase, in der nicht mehr überholt werden darf, verhinderte aber auch den Schlussangriff von Franchittis neuseeländischen Teamkollegen Scott Dixon, der sich mit dem zweiten Platz vor Tony Kanaan begnügen musste.

"Dans drei beste Freunde in den Top 3 - wo auch immer er jetzt sein mag, wird er sicher extrem glücklich sein", meinte der Brasilianer Kanaan.

Barrichello glückt Debüt

Dessen Landsmann Rubens Barrichello feierte unterdessen vor rund 250.000 Zuschauern ein gelungenes Indy-Debüt. (Newscenter: Alles zum Motorsport).

Als bester von insgesamt sieben Neulingen kam der 40 Jahre alte Rekord-Pilot der Formel 1 (323 Rennen) als Elfter ins Ziel.

"Ich bin sehr stolz. Das war meine erste Erfahrung im Oval, ganz anders als alles, was ich bisher gemacht habe. Manchmal ist es da draußen einfach nur verrückt", sagte "Rubinho", der an gleicher Stelle 2002 das Formel-1-Rennen gewonnen hatte: "Schade, dass es nicht für die Top 10 gereicht hat."

Oldie Alesi zu langsam

Weniger gut lief es für den bereits 47 Jahre alten Franzose Jean Alesi, der von 1989 bis 2001 in der Formel 1 und später noch in der DTM unterwegs war.

Der älteste Neueinsteiger in den jetzt 96 Auflagen der Indy 500 wurde schon nach wenigen Runden von der Rennleitung aus dem Feld genommen, weil er zu langsam war.

"Das war frustrierend, aber die Regel ist fair", sagte Alesi: "Ich nehme viel Respekt vor den Indy 500 mit und hoffe, im nächsten Jahr wiederzukommen."

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