2005 wurde Bradl in der 125er-Klasse deutscher Motorradmeister © getty

Gestiegene Erwartungen, große Sportler-Persönlichkeiten und der Wunschgratulant: Die neue deutsche Motorrad-Hoffnung Stefan Bradl spricht nach dem Sachsenring-Triumph im Sport1.de-Interview.

München - Am vergangenen Wochenende feierte Stefan Bradl seinen größten Erfolg.

Beim WM-Heimspiel auf dem Sachsenring fuhr das 18-jährige Motorrad-Talent vor über 100.000 Zuschauern auf den zweiten Platz der Klasse bis 125 ccm.

Seit diesem Paukenschlag steht der Sohn von 250-ccm-Vizeweltmeister Helmut Bradl im Mittelpunkt und gilt als der neue Hoffnungsträger des zuletzt darbenden deutschen Motorsports.

Sport1.de sprach mit dem deutschen Youngster über seine neue Rolle, die gestiegenen Erwartungen und wertvolle Tipps vom Vater.

Sport1: Nach Ihrem zweiten Platz auf dem Sachsenring sprachen Sie von einem "geilen Gefühl". Wie lange hat das Gefühl angehalten?

Stefan Bradl: Nach dem Rennen auf der Auslaufrunde war es das geilste Gefühl. Aber dann war es schon wieder an der Zeit nachzudenken, was ich den Presseleuten sage. Abends haben wir natürlich schon noch ein bisschen gefeiert. Es war schon ein schöner Tag.

Sport1: War es der bislang schönste Tag Ihrer Rennfahrer-Karriere?

Bradl: In meiner Rennfahrer-Karriere auf jeden Fall. Weil so viele Zuschauer da waren und es in Deutschland war. Und wie sie mich in der Auslaufrunde bejubelt haben, das war schon phänomenal.

Sport1: Gab es besondere Gratulanten?

Bradl: Es waren so viele, es hat keiner besonders herausgestochen. Da fällt mir auf Anhieb keiner ein. Michael Schumacher hat noch nicht angerufen. Das wäre zum Beispiel etwas Besonderes gewesen.

Sport1: Was fehlt denn noch zum großen Wurf? Wann dürfen wir uns denn über den ersten Sieg freuen?

Bradl: Vom technischen her sind wir mit dem Werks-Motorrad auf demselben Stand wie die anderen Werkfahrer. Das Meiste macht das Fahrkönnen aus. Es hat nicht viel gefehlt zum Sieg. Es waren zwei Sekunden, wobei das Rennen zum Schluss hin schwieriger geworden ist, weil der einsetzende Regen ein Problem war.

Sport1: Fühlen Sie sich bei Regen nicht wohl?

Bradl: Da hab ich kein Problem, aber der vor mir (der Franzose Mike di Meglio, Anm. d. Redaktion) ist ein kleiner Spezialist auf beiden Gebieten. Wenn der Regen nicht eingesetzt hätte, hätte ich vielleicht noch eine Attacke versucht, aber ich wollte nicht runterfallen und das Risiko war da. Aber wenn ich noch ein bisschen mehr Glück habe, und wenn alles zusammen passt, dann glaube ich, ist es beim nächsten Rennen möglich, dass ich einen Sieg einfahren kann.

Sport1: Spüren Sie schon den Druck oder eine gesteigerte Erwartungshaltung im Umfeld?

Bradl: Der Druck war am Sachsenring beim Heim-Grand-Prix schon da. Nach dem Training hieß es ja: Podium ist das Mindeste, was ich erreichen muss. Da habe ich schon Druck verspürt und war nervöser als sonst. Man merkt einfach, dass die Leute etwas erwarten und auch die Medien. Aber mit dem Druck bin ich gut umgegangen und habe ein tolles Ergebnis eingefahren, was mich natürlich auch irgendwie erlöst hat. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, weil ich durchschnaufen konnte, und alles war weg.

Sport1: Fühlen Sie sich jetzt als neuer Hoffnungsträger des Deutschen Motorrad-Sports?

Bradl: Das wird man immer wieder gefragt. Momentan ist kein Besserer da. Von daher bin ich es schon. Ich fühle mich auch ganz wohl in dieser Rolle, wobei dann natürlich der Druck größtenteils auf mir lastet.

Sport1: Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Sports?

Bradl: Der Sport ist fernsehtechnisch gesehen - speziell in Deutschland - noch verbesserungsfähig, vor allem mehr Live-Übertragungen. Der MDR hat das am Sachsenring ganz gut gemacht, gesondert auf die deutschen Fahrer zurückzugreifen und mit denen Interviews zu führen.