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Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will noch in diesem Jahr ein Anti-Doping-Gesetz vorlegen. Dem Radiosender "hr-iNFO" sagte Maas, der Betrug, der mit Hilfe von Doping begangen werde, solle künftig unter Strafe gestellt werden. Vorgesehen seien Geld- und Freiheitsstrafen.

Auch der Besitz und Vertrieb von Doping-Mitteln soll als Delikt ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden.

"Betrug ist zum Beispiel, wenn sich im Profisport Sportlerinnen oder Sportler dopen und sich damit einen Vorteil verschaffen und damit Preisgelder gewinnen, die sie auf andere Weise nicht gewonnen hätten", sagte Maas, "sie bevorteilen sich gegenüber anderen, nicht gedopten Sportlern, und sie kriegen dafür Geld, weil sie erfolgreich sind und sich diesen Vorteil durch Doping erschlichen haben. Und das ist in anderen Fällen Betrug und das ist strafbar und das muss auch für Doping gelten."

Maas kündigte an, dass das Anti-Doping-Gesetz in Kooperation mit dem Innen- und Gesundheitsministerium erarbeitet werde. "Wir wollen in einem ersten Schritt regeln, dass Doping, der Gebrauch - und übrigens nicht nur der Selbstgebrauch, sondern auch das Veräußern von Doping-Mitteln - unter Strafe gestellt wird", so der Minister.

Zivilrechtliche Regelungen, um etwa Schadenersatz für Spiele einzuklagen, die auf Grund von Doping verloren gingen, sehe das neue Gesetz nicht vor. Es richte sich in erster Linie gegen Doping im Profisport:

"Wir sind noch nicht abschließend so weit, wie mit dem Amateursport zu verfahren ist." Grund dafür seien vor allem praktische Fragen: "Wie will man dafür sorgen, dass dort begangene Doping-Vergehen auch verfolgt werden, bei Massenveranstaltungen wie dem Berlin-Marathon, bei dem 40.000 Menschen mitlaufen?"

Die Forderung nach einem Anti-Doping-Gesetz steht schon seit längerem im Raum. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte sich im vergangenen Dezember auf seiner Mitgliederversammlung in Wiesbaden mit großer Mehrheit erstmals konkret dafür ausgesprochen.

Damit nahm der DOSB auch zum ersten Mal in seiner Geschichte dopende Profisportler ins Visier, nicht wie zuvor nur deren Hintermänner.

"Ich freue mich sehr, dass wir diesen großen Schritt voran gemacht haben", hatte DOSB-Präsident Alfons Hörmann erklärt, und Generaldirektor Michael Vesper fügte hinzu: "Wir haben immer gesagt, dass wir für jegliche strafrechtliche Regelung offen sind, solange sie das Sportrechtssystem nicht gefährdet - und genau das haben wir nun beschlossen."

Die Einführung einer uneingeschränkten Strafbarkeit bei Besitz von Dopingmitteln schon in geringen Mengen lehnte der Dachverband des deutschen Sports allerdings aus Angst vor der Aufweichung der eigenen Gerichtsbarkeit ab. Der DOSB befürchtet, dass damit "das schärfste Instrument zur Sanktionierung dopender Sportler, nämlich die sofortige Sperre, nicht mehr zur Verfügung stünde".

Hörmann wollte auf die Klausel der Besitzstrafbarkeit im Detail nicht eingehen. "Warum sollen wir ein Problem haben, nur weil da vielleicht etwas ins Gesetz genommen werden soll. Wir müssen da auf ganz konkrete Aussagen warten", sagte der DOSB-Chef.

"Wir waren zuletzt wieder in Gesprächen mit den zuständigen Bundesministerien. Ich denke, dass wir mögliche unterschiedliche Auffassungen auf dieser Ebene auch weiter behandeln werden", so Hörmann.

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