Die Silhouette von IOC-Präsident Thomas Bach © getty

Scharfe Kritik eines früheren Spitzenpolitikers am IOC: Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler bezeichnete das Internationale Olympische Komitee als einen "korrupten Altherrenklub" und forderte dessen Präsidenten Thomas Bach auf, "endlich Ordnung" in seinem Verband zu schaffen.

"Das IOC ist zu Recht völlig in Verruf geraten, weil es wegen des Geldes die eigene Charta mit Füßen tritt", sagte der 83 Jahre alte Geißler der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

In der IOC-Charta stehe, dass nur Länder an Spielen teilnehmen dürften, in denen es keine Diskriminierung gebe. "Die Südafrikaner wurden wegen der Apartheid jahrzehntelang ausgeschlossen", sagte er, "heute gibt es auf der Welt zwanzig Staaten, in denen Frauen keinen Sport treiben dürfen." Sudan, Saudi-Arabien und Iran müssten sofort ausgeschlossen werden, meinte er. Die Charta werde jedoch nicht ernst genommen, "weil im IOC auch korrupte, bestochene Leute sitzen."

Geißler kritisierte auch die Vergabe der Winterspiele an Russland, wo ein Gesetz Homosexuellen verbietet, in der Öffentlichkeit für ihre Lebensweise zu werben. Er verurteilte teils angebliche menschenunwürdige Lebensumstände von Arbeitern.

"Das IOC hätte verhindern müssen, dass dort unter Bedingungen der Lohnsklaverei Sportstätten gebaut werden."

Geißler schoss sich zudem verbal auf das Verhalten des Fußball-Weltverbandes Fifa bezüglich der WM in Katar ein.

"In Katar, wo 2022 die Fußball-WM stattfindet, ist das dieselbe Unmoral. Sportverbände gehen vor den verantwortlichen Leuten in die Knie. Wenn die Bayern sagen, da machen wir nicht mit, weil der Kommerz nicht alles diktieren darf, ist das absolut richtig."

Die Verbände müssten ihre Macht nutzen, Großereignisse zu vergeben. "Zu Katar könnte man sagen, ihr bekommt die WM nicht, wenn ihr die Menschen- und vor allem die Frauenrechte nicht respektiert. Das ändert eher etwas, als ihnen die WM einfach zu geben", sagte er fordernd.

Ohne öffentlichen Druck könne stille Hilfe allein jedoch nicht viel Bewirken, meinte er. Es sei am besten, wenn beides zusammenkomme.

Geißler verteidigte deshalb die Entscheidung von Bundespräsident Joachim Gauck, die Einladung zur Eröffnungsfeier der Winterspiele in Sotschi abzulehnen: "Nichts fürchten Diktatoren und autoritäre Herrscher mehr als die Einmischung von außen."

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