Der frühere Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher hat Vorwürfe wegen seiner angeblichen Forderung nach Einsatz von Dopingmitteln für mehr Erfolge bundesdeutscher Athleten bei den Olympischen Spielen 1972 in München zurückgewiesen.

Das damals für den Sport zuständige Regierungsmitglied bezeichnete entsprechende Schlussfolgerungen aus der vieldiskutierten Studie "Doping in Deutschland" in einer schriftlichen Mitteilung für die Süddeutsche Zeitung "als verletzend".

In seiner Reaktion dementierte Genscher besonders eine ihm in der Studie zugeschriebene und von den Forschern als Aufforderung zu Doping ausgelegte Aussage.

"An die mir zugeschriebenen Äußerungen kann ich mich nach mehr als 40 Jahren beim besten Willen nicht erinnern", schrieb der FDP-Politiker der "SZ":

Er "halte es aber für ausgeschlossen, dass ich sie getan habe, denn die damit bei Richtigkeit der Zitate und deren Interpretation unterstellte Haltung entsprach und entspricht nicht meiner Denkweise. Das gilt umso mehr, als ich stets für einen sauberen Sport eingetreten bin und ein Anti-Doping-Gesetz seit langem für notwendig halte".

Als Hinweis für seine damalige Haltung nannte Genscher außerdem die "politische Betrachtung der Olympischen Spiele 1972 in München, die ich nicht als Rivalitätsveranstaltung zweier politischer Systeme: West und Ost betrachtet".

In über den offiziellen Abschlussbericht der Studie bekannt gewordenen Dokumenten geben die Forscher ein angebliches Gespräch von 1971 zwischen dem damaligen Sportminister und einem Arzt wieder.

"Von Ihnen als Sportmediziner will ich nur eins: Medaillen in München." Einwände des Arztes wegen der nur noch geringen Vorlaufzeit bis München soll der Politiker mit der Aussage "Das ist mir egal" zurückgewiesen haben.

Die Studienautoren werteten den Dialog als Anzeichen zumindest für die Duldung von Doping durch staatliche Stellen.

Genscher wehrte sich auch gegen den durch die Studie aufkommenden Eindruck mangelnder Kontrolle des mit der sportmedizinischen Forschung beauftragen Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) durch sein damaliges Ministerium.

"Was die Verwendung von Haushaltsmitteln für die Sportförderung angeht", schrieb der spätere Bundesaußenminister und Vizekanzler, "so wurde und wird darüber vom Deutschen Bundestag mit dem Haushaltsgesetz entschieden. Die Durchführung entsprechend dieser Entscheidung liegt, soweit sie über das Bundesinstitut laufen, bei diesem. Ihre dem Gesetz entsprechende Verwendung unterliegt der Kontrolle des Bundesrechnungshofes."

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