Für die Transparenz-Expertin Sylvia Schenk sind die in der Doping-Studie zitierten Aussagen von früheren Ministern und Sportpolitikern kein Beleg für Forderungen des Staates nach mehr Erfolgen deutscher Athleten durch den Einsatz verbotener Substanzen.

"Die zitierten Aussagen von Ministern und Politikern könnte man - insbesondere mit dem Wissen, das wir in den vergangenen 40 Jahren erworben haben - als Aufforderung zum Doping verstehen, sie haben mindestens indirekt den Druck erhöht, Legitimation geboten. Aber war das in dem Kontext der gemachten Äußerung damals sicher so gemeint? Lässt sich allein aus der Aussage eines oder mehrerer Zeitzeugen gesichert schließen, dass Minister das damals so, wie nun interpretiert, gemeint haben und verstanden haben wollten?", sagte Schenk am Donnerstag.

Nach der Veröffentlichung der Studie über die Doping-Praktiken während des Kalten Krieges waren die ehemaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher und Werner Maihofer als damals für den Sport zuständige Kabinettsmitglieder in die Kritik geraten.

Die Studienautoren werteten von Zeitzeugen wiedergegebene Aussagen der damaligen Regierungsangehörigen wenigstens als Duldung von Doping oder auch gar als Aufforderung zum Einsatz verbotener Substanzen.

Genscher, der bei den Olympischen Spielen 1972 in München zuständiger Minister, hatte entsprechende Vorwürfe am vergangenen Mittwoch zurückgewiesen.

Auch der heutige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble war wegen vermeintlicher Aussagen während seiner Zeit als CDU-Obmann im Sport-Ausschuss des Deutschen Bundestages unter Druck geraten.

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