Nationen ohne funktionierende Doping-Kontrollsysteme sollen nach Meinung von Deutschlands Leichtathletik-Chef Clemens Prokop von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden können.

"Das wäre ein Druck, der ganz schnell dafür sorgen würde, dass vom Staat die erforderlichen Mittel im Anti-Doping-Kampf bereitgestellt würden", sagte Prokop vor der am Samstag beginnenden WM in Moskau im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Prokops Gedankenspiele zur Verschärfung der Dopingstrafen sind nicht neu. Schon zuvor hatten der Weltverband IAAF und auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergleichbare Überlegungen angestellt.

Zuletzt hatten mehrere Dopingfälle besonders im Lager von Jamaikas Weltklassesprintern und WM-Gastgeber Russland Zweifel an der notwendigen Konsequenz beider Länder bei der allgemeinen Doping-Bekämpfung geschürt.

Seine Forderung nach einem Anti-Doping-Gesetz in Deutschland erläuterte Prokop in dem Interview und sprach sich zugleich für eine internationale Angleichung der strafrechtlichen Doping-Verfolgung aus.

"Nur wenn wir Instrumente wie die der zwangsweisen Zeugenbefragung, der Durchsuchung, auch der Telefon-Abhörung haben, können wir die Glaubwürdigkeit deutlich verbessern. Wir müssen auch national und international den Staat systematisch mit einbeziehen. Warum nicht eine Art Interpol des Anti-Doping-Kampfes einrichten?"

Die Debatten um die Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) sieht Prokop als Gefahr für den Sport.

"Bis heute ist für mich nicht erkennbar, wie die Finanzierung der NADA gestemmt werden soll. Die NADA kommt so ein bisschen im Bettelgewand daher, dabei müsste sie unser weißer Ritter im Luxusornat sein. Das ist kein gutes Zeichen für die Glaubwürdigkeit. "

Unter den gegebenen Umständen könnten mangelnde Erfolgsmeldungen der NADA nicht verwundern: "Wenn wir im Jahr 2012 bei 9000 Kontrollen auf acht positive Fälle kommen, ist das einfach unrealistisch."

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