Die ehemalige deutsche Spitzenathletin Heidi Schüller erhebt schwere Vorwürfe gegen Thomas Bach und bezichtigt den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Scheinheiligkeit.

"Bach ist für mich eindeutig der falsche Mann am falschen Platz. Zum Thema Doping muss er mehr gewusst haben, als er zugibt. Damals wurde überall darüber gesprochen, da kann er ja nicht immer nur weggehört haben", sagte die 63-Jährige im Gespräch mit dem "SID" vor dem Hintergrund der am Montag veröffentlichen Studie zum Westdoping.

Ähnlich hatte sich Schüller am Dienstag auch in der Münchner Tageszeitung "tz" geäußert.

DOSB-Sprecher Christian Klaue wies die Kritik von Schüller auf "SID"-Anfrage entschieden zurück. "Frau Schüller ignoriert schlichtweg die Fakten der stets klaren und deutlichen Haltung von Herrn Bach im Kampf gegen Doping", sagte Klaue:

"Schon mit seinen Kollegen beim Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden hat er eine lebenslange Sperre gefordert, in seiner Zeit bei adidas führte er in die Verträge eine Ausstiegsklausel im Falle von Doping ein und setzte dort eine derartige Vertragskündigung gegen einen deutschen Athleten auch vor Gericht durch."

In seiner Zeit der Mitgliedschaft zunächst in der Athletenkommission des IOC und später in der Juristischen Kommission sei der Kampf gegen Doping für Bach immer "eine hohe Priorität" gewesen.

"Deshalb ist Herr Bach auch von IOC-Präsident Jacques Rogge bei dessen Amtsantritt zum Vorsitzenden der Anti-Doping-Disziplinarkommissionen benannt worden und hat dort Fälle wie zum Beispiel den von Johann Mühlegg oder die Vorgänge um die österreichischen Nordischen Skisportler in Turin mit null Toleranz und Strafen auch gegen Hintermänner und Organisationen durchgesetzt", sagte Klaue weiter.

Bereits sechs Monate nach Bachs Amtsantritt als DOSB-Präsident habe die Mitgliederversammlung des DOSB einen Zehn-Punkte-Aktionsplan gegen Doping verabschiedet.

Klaue: "Wenn Frau Schüller die von ihr geschilderten Verhältnisse in der Leichtathletik mit denen im Fechten gleichsetzt, verkennt sie die vollkommen unterschiedliche Situation in den beiden Sportarten, wie sie sich allen Dopingstatistiken unschwer entnehmen lässt."

Auf die Frage, ob er in seiner jahrzehntelangen Athleten- und Funktionärskarriere keine Kenntnis von Dopingpraktiken erlangt habe, hatte Fecht-Olympiasieger Bach am Montag im "heute-journal" des "ZDF" gesagt: "Schon als Athlet war für uns in Fechterkreisen das Thema Doping kein Thema."

Für Schüller, die 1972 bei den Olympischen Spielen in München als erste Frau den olympischen Eid für die Athleten gesprochen hatte, klingt dieses Lippenbekenntnis wie Hohn.

"Als Funktionär muss er das ja so darstellen. Das hat damals in München jeder mitbekommen, da wurde drüber geredet. Thomas Bach hat aber eine Funktionärskarriere eingeschlagen, da muss man angepasst sein und sich auf der Schleimspur bewegen, wenn man nach oben kommen will", sagte die frühere TV-Moderatorin, für die der gelernte Jurist immer nach dem Leitspruch "too little too late" (zu wenig, zu spät) handelt.

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