Dagmar Freitag, Sportausschuss-Vorsitzende im Deutschen Bundestag, hat sich verwundert über die plötzliche Veröffentlichung des Abschlussberichts zur Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" der Berliner Humboldt-Universität (HU) gezeigt.

"Über Monate hat man gesagt, dass die Studie aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden kann. Schlagartig hat sich über das Wochenende die Sachlage nun ins Gegenteil gekehrt", sagte Freitag dem Sport-Informations-Dienst (SID).

"Das kann eigentlich nur dem großen öffentlichen Druck geschuldet sein. Dieser und die breite Diskussion haben sicher dazu geführt, dass die Blockadehaltung des BMI und des BISp aufgegeben wurde."

Das Bundesinnenministerium (BMI) hatte am Montag angekündigt, dass der heftig diskutierte Bericht kurzfristig noch am gleichen Tag auf der Homepage des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) veröffentlicht werde.

"Ich habe den Bundesinnenminister bereits schriftlich aufgefordert, genau das zu tun", sagte Freitag, die zudem auf eine Sondersitzung des Sportausschusses drängt. "Ich habe eine Genehmigung beim Bundestagspräsidenten erbeten", sagte die SPD-Politikerin.

"Diese soll möglichst noch Ende August, spätesten Anfang September stattfinden. Der Ausschuss muss sich in jedem Fall noch in dieser Legislaturperiode intensiv mit dem Bericht beschäftigen."

Ob die Vorgänge um die Dopingaufklärung womöglich sogar einen Einfluss auf die Wahl von Thomas Bach zum Präsidenten des Internationale Olympische Komitees (IOC) haben könnten, wollte Freitag nicht abschließend bewerten.

"Das ist immer Spekulation", sagte die 50-Jährige: "Aber die Entscheidungsträger im IOC werden schon ganz genau schauen, was sich in den Ländern aktuell für Diskussionen abspielen.

Eine breite und öffentliche Diskussion über die Dopingvergangenheit in Deutschland steht sicher nicht auf der Wunschliste von Thomas Bach."

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