Angesichts der Berichte der Süddeutschen Zeitung über neue Anzeichen für organisiertes Doping und entsprechende Rückendeckung durch staatliche Stellen in Westdeutschland hat Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), zur Zurückhaltung gemahnt.

"Es waren eher Spekulationen und zusammenfassende Bewertungen in der Süddeutschen, ich denke, wir würden gerne den Bericht selber bewerten und unsere Schlüsse daraus ziehen", sagte der 61-Jährige dem SID.

Der DOSB werde sich den Abschlussbericht genau anschauen und analysieren, dies sei Teil der Null-Toleranz-Politik gegen Doping.

Die SZ hatte ihren Bericht am Samstag auf die bislang unveröffentlichte Studie "Doping in Deutschland" der Humboldt-Universität (HU) Berlin gestützt.

Die HU zeige, dass "im westdeutschen Sport in einem erschreckenden Umfang und mit einer kaum glaublichen Systematik gedopt" worden sei.

Das Blatt sieht die Systematik durch mehrere Details der dreijährigen Studie als erwiesen an.

"Was meines Erachtens nach nicht geht, ist die Gleichseztung dessen, was bei uns in Westdeutschland passiert ist, mit dem, was in der DDR Praxis war. Nämlich organisiertes Staatsdoping, oft ohne Kenntnis der Sportler. Da muss man schon differenzieren", sagte Vesper.

Die Ergebnisse der 2008 vom DOSB initiierten und 550.000 Euro teuren Studie sind immer noch nicht veröffentlicht.

Aus dieser stammen auch die schon bekannt gewesenen Ephedrin-Vorwürfe gegen drei deutsche Fußball-Nationalspieler aus dem Kader bei der WM 1966 in England.

"Was die Mannschaft von 1966 angeht, gibt es in einem Dokument eine Anmerkung, dass bei drei Spielern feine Spuren von Ephedrin gefunden worden seien. Durch Einnahme eines Schnupfenmittels, weil sie erkältet waren. Es ist aber untersucht worden, und es ist eindeutig nicht als Doping zu werten", sagte Vesper.

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