Nach den überraschenden Ergebnissen einer Studie zum deutschen Spitzensport stellt die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag das derzeitige Doping-Kontrollsystem infrage.

In der von der Deutschen Sporthilfe in Auftrag gegeben Untersuchung hatten 5,9 Prozent von 1154 befragten deutschen Spitzenathleten angegeben, "regelmäßig" zu Dopingmitteln zu greifen. Fast die Hälfte (40,7 Prozent) der Sportler hatten darüber hinaus eine Antwort auf die Frage verweigert.

"Man kann nur darüber spekulieren, warum die Befragten diese Frage nicht beantwortet haben. Aber alleine die Zahl von 5,9 Prozent ist schon sehr aufschlussreich und spricht eine deutliche Sprache", sagte die SPD-Politikerin: "Wenn man das mit den Erfolgsquoten der NADA vergleicht, muss man die Frage nach der Effizienz des Doping-Kontrollsystems stellen."

Im Jahr 2011 hatte die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) bei 7767 Trainingskontrollen in 4 Proben verbotene Substanzen nachgewiesen.

Die NADA erklärte dagegen auf Anfrage, die Ergebnisse seien kein Beleg für die Ineffektivität des derzeitigen Systems.

"Wir alle wissen, wie schwer es ist, gedopte Sportler zu überführen. Aber wir wissen auch aus vielen Gesprächen mit überführten Athleten, dass es durch die qualitativ immer besser werdenden Kontrollen immer schwieriger wird, zu dopen", hieß es in der Stellungnahme.

Für Freitag ist für die Lösung ohnehin ein generelles Umdenken nötig.

"Politik, Gesellschaft und der organisierte Sport müssen lernen, dass Medaillenzählen nicht alles ist, sondern man muss auch immer den Menschen dahinter sehen", sagte die 59-Jährige:

"Man darf nicht nachlassen, Spitzensport und berufliche Qualifikation besser in Einklang zu bringen. Wenn man sieht, dass Existenzangst einer der am häufigsten genannten Gründe für Fehlverhalten im Sport ist, ist dies das drängendste Thema."

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