DOSB-Generaldirektor Michael Vesper hat sich trotz wachsender Kritik erneut für die bestehende Anti-Doping-Gesetzgebung ausgesprochen.

Nach dem heftigem Streit um schärfere Anti-Doping-Gesetze am Mittwoch im Sportausschuss des Deutschen Bundestages erklärte Vesper am Donnerstag in Köln, Verfahren gegen Athleten durch Staatsanwaltschaften seien viel zu langwierig, außerdem sanktioniere das Sportsystem härter als ein Anti-Doping-Gesetz.

"Was wir wirklich nicht brauchen, ist die Strafbarkeit des Eigendopings. Weil der Sport diesen Bereich mit seiner Gerichtsbarkeit sehr schnell und ausreichend abdeckt", sagte Vesper bei einer Veranstaltung der Macromedia-Hochschule für Medien und Kommunikation.

Im Falle einer positiven Probe würde der betreffende Sportler "sofort für mindestens zwei Jahre gesperrt, auch international", sagte Vesper: "Wenn der Staat das übernehmen würde, gäbe es eine Unschuldsvermutung. Die Staatsanwaltschaften und Gerichte bräuchten nicht Monate, sondern Jahre, um einen Täter abzuurteilen."

Ein Ersttäter würde dann eine Geldstrafe oder Bewährungsstrafe erhalten, das Sportsystem sei laut Vesper "viel härter und viel effizienter".

Ein Problem sei laut Vesper, dass die Staatsanwaltschaften ganz unterschiedlich an die Verfahren herangehen. "Das Umfeld, also die Hintermänner, die mit Dopingmitteln handeln und sie in nicht geringer Menge besitzen, macht sich schon heute strafbar. Wir sind der Meinung, dass jeder einzelne Dopingfall eigentlich einen Anfangsverdacht bei einer Staatsanwaltschaft auslöst, um gegen die Hintermänner zu ermitteln", sagte er.

Irgendwo müsse ja der Arzt sitzen, "irgendwo derjenige, der die Mittel besorgt hat und der sie dann verabreicht".

Vesper forderte darum, die Hintermänner "stärker ins Visier" zu nehmen. "Wir brauchen auch mehr als die bisherigen zwei Schwerpunktstaatsanwaltschaften in München und in Freiburg. Wir brauchen sie im Osten, im Westen und im Norden dieses Landes", sagte Vesper.

Laut Vesper habe die verschärfte Anti-Doping-Gesetzgebung aus dem Jahr 2007 ihre Wirkung nicht verfehlt: "Die Zahl der Verfahren hat sich verdoppelt oder verdreifacht, die Zahl der Urteile verzwölffacht." Namhafte Leistungssportler gingen allerdings nicht in die Falle.

Der Streit um schärfere Gesetze im Anti-Doping-Kampf war am Mittwoch im Sportausschuss unvermindert weitergegangen.

Mit heftiger Kritik reagierten die SPD-Fraktion im Sportausschuss des deutschen Bundestages und die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) auf einen Evaluierungsbericht der Bundesregierung, der den bisherigen gesetzlichen Regelungen ein gutes Zeugnis ausstellt.

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