Der Streit um schärfere Gesetze im Anti-Doping-Kampf geht unvermindert weiter. Mit heftiger Kritik reagierten die SPD-Fraktion im Sportausschuss des deutschen Bundestages und die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) auf einen Evaluierungsbericht der Bundesregierung, der den bisherigen gesetzlichen Regelungen ein gutes Zeugnis ausstellt.

"Es ist eine Farce, dass ausgerechnet derjenige Sachverständige zum Gutachter bestellt wird, der an den bestehenden Regelungen maßgeblich mitgearbeitet hat", sagte SPD-Obmann Martin Gerster: "Dementsprechend fällt der Bericht aus."

Bisher läuft die strafrechtliche Verfolgung von Dopingvergehen über das 2007 verschärfte Arzneimittelgesetz. Dabei sind aber nur der Besitz von "nicht geringen Mengen" verbotener Substanzen und der Handel strafbar, dopende Sportler unterliegen nur der Sportgerichtsbarkeit.

Gerster kündigte für den Beginn des kommenden Jahres einen eigenen Gesetzentwurf der SPD-Bundestagsfraktion an. Dadurch sollen unter anderem der Passus "nicht geringe Menge" in den bestehenden Regelungen gestrichen werden.

Auch Bayerns Justizministerin Beate Merk kritisierte den Bericht scharf. Er sei "enttäuschend", habe "handwerkliche Defizite" und setze sich "mit den begründeten Forderungen nicht auseinander", hieß in einer Stellungnahme.

Merk kämpft seit Jahren für schärfe gesetzliche Regelungen gegen Doper und hatte erst im Sommer einen weitreichenden Gesetzentwurf vorgestellt.

Positiv bewertete dagegen Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), den Bericht des Gutachters Matthias Jahn. "Es ist solider Bericht. Er stellt fest, dass die Änderungen gewirkt haben", sagte Vesper.

Einer verstärkten staatlichen Verfolgung von Dopern erteilte er eine Absage.

"Es würde teilweise mehrere Jahre bis zu einem Urteil vergehen. Da ist eine sofortige Sperre das wirksamere Mittel", betonte er: "Außerdem wären dann zwei unterschiedliche Rechtssysteme mit einem Delikt befasst. Was passiert denn, wenn es zu unterschiedlichen Urteilen kommt?"

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