Hilferuf zum Jubiläum: Mit einer schonungslosen Zustandsbeschreibung machte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Georg Näder zum 10. Geburtstag der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA deren chronische Finanzmisere deutlich:

"Wie sollen wir unsere Arbeit machen, wenn wir quasi als Gummiboot mit wenig Luft über die Weltmeere fahren?", fragte der 51 Jahre alte Unternehmer am Mittwoch bei der Feierstunde in Bonn.

Erst die Umschichtung einer Million Euro im Bundeshaushalt 2013 hatte Mitte Oktober den Haushalt der Agentur gerettet, die am 15. Juli 2002 im Rathaussaal der früheren Bundeshauptstadt gegründet worden war. In seinem Festvortrag machte auch der frühere Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, klar: "Damals bestand zwischen Bund, Sport, Ländern und Wirtschaft Einigkeit." Doch die Länder und die Wirtschaft hätten ihr Versprechen der Finanzierung nicht gehalten.

Michael Vesper, der als Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Aufsichtsrat der NADA sitzt, die er als anerkanntes Service- und Kompetenzzentrum bezeichnete, sieht die NADA auch in Zukunft im jährlichen Kampf um den Etat: "Ich bin überzeugt, dass das Stakeholder-Modell zwischen den Partnern nicht gescheitert ist - wenn alle sich der Verantwortung stellen."

Während Bund und Sport im Wesentlichen den Haushalt von 4,7 Millionen Euro bestreiten würden, hätten die Bundesländer zum Vorjahresbudget gerade mal 21.795 Euro zugesteuert, die Wirtschaft 572.500.

"Andere Partner haben sich nach der Gründung still und heimlich aus ihrer Verantwortung verabschiedet", übte auch Gerhard Böhm als Sport-Abteilungsleiter im Bundesinnenministerium heftige Kritik.

Unter den Ländern hätten sich nur Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen engagiert. Die Wirtschaft, zu deren Gründungspartnern neben dem noch immer als Finanzier tätigen Sportartikelhersteller adidas die Deutsche Bank und Telekom gehört hatten, zeige "keine Verantwortung für einen sauberen Sport".

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