Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA will die Vierjahres-Sperre für schwere Dopingdelikte wieder einführen. Mit dieser Ankündigung stieß WADA-Chef John Fahey nach einer Vorstandssitzung der Agentur am Wochenende in Montreal gleich auf Widerspruch von Juristen.

Laut Michael Lehner, einer der renommiertesten Anwälte im Bereich Doping, wäre eine generelle Sperre von mehr als zwei Jahren auch heute in Deutschland und anderen Teilen der Welt verfassungsrechtlich nicht durchsetzbar.

"Dies wurde im Fall Katrin Krabbe 1995 gerichtlich festgestellt, daran hat sich bis heute nichts geändert", sagt der Heidelberger Jurist: "Die WADA kommt im Anti-Doping-Kampf nicht richtig voran und will Stärke zeigen. Es ist das alte Spiel mit den harten Strafen."

Sprint-Weltmeisterin Krabbe war 1993 ebenso wie 400-m-Läuferin Grit Breuer und Manuela Derr vom Leichtathletik-Weltverband IAAF für vier Jahre gesperrt worden.

Das Oberlandesgericht München hatte nach langem juristischem Streit festgestellt, dass eine solche Sanktion gegen das Recht auf Berufsfreiheit verstoße. Daraufhin hatte Krabbe die IAAF verklagt und 1,2 Millionen Mark Entschädigung erhalten.

Mit einer Vier-Jahres-Sperre will die WADA vor allem den Wegfall der sogenannten Osaka-Regel kompensieren. Diese besagte, dass Athleten, die mehr als sechs Monate wegen Dopings gesperrt waren, bei den kommenden Olympischen Spielen nicht startberechtigt sind.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte jedoch festgestellt, eine solche Regel komme einer Doppelbestrafung gleich und sei nicht im Einklang mit den Statuten des Internationalen Olympischen Komitees.

Dies hatte dazu geführt, dass der frühere 400-m-Weltmeister LaShawn Merritt (USA) und andere Athleten wie der britische Sprinter Dwain Chambers 2012 in London wieder starten durften.

Die WADA fordert die Vierjahres-Sperre für schwerere Vergehen mit anabolen Steroiden, Wachstumshormonen, dopingverschleiernden Substanzen und verbotenen Techniken. Fahey sagt: "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Sanktionen durchsetzen. Die Athleten müssen wissen, dass sie einen hohen Preis zahlen, wenn sie Doping riskieren."

Ob dies wirklich der Fall sein wird, zeigt sich wohl erst, wenn ein zu vier Jahren Sperre verurteilter Athlet nach Bestätigung des Strafmaßes durch den in Lausanne sitzenden CAS ein ordentliches Gericht anruft.

Laut Lehner wäre das Schweizer Bundesgericht hierfür die richtige Adresse.

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