Nach der vernichtenden Kritik des Mainzer Sportmedizin-Professor Perikles Simon an dem deutschen Doping-Kontrollsystem hat der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel weltweit mehr Geld für die Forschung gefordert.

Auch der Kölner Laborleiter Wilhelm Schänzer hält mehr Mittel für einen guten Weg. "Dass nur fünf oder zehn Millionen Euro jährlich in die Suche nach neuen Nachweismethoden investiert werden, ist völlig unzureichend", sagte der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Heroldsberg bei Nürnberg mit Blick auf andererseits jährlich rund 350 Millionen Kosten für internationale Dopingkontrollen.

Perikles Simon, der 2011 mit Kollegen aus Mainz und Heidelberg das erste weltweite Nachweisverfahren für Gendoping entwickelt hat, erklärte in einem Beitrag der "Allgemeine Zeitung/Main-Spitze":

"Wir führen Tests durch, obwohl wir wissen, dass diese Tests nichts bringen. Die Kontrollen sind nicht intelligent und gezielt, und damit wirken sie auch nicht präventiv-abschreckend."

Daher falle auch nur ein Promille der Tests positiv aus. "Was den Spitzensport angeht, halte ich eine Dopingquote von 60 Prozent für realistisch", sagt Simon.

Gerade der Spitzensport sei ein großer Wirtschaftsfaktor, da rede man mindestens von einem Volumen von 200 Milliarden US-Dollar jährlich:

"Wenn Sie dann sechs Millionen in die Entwicklung neuer Nachweisverfahren stecken, kann das nicht funktionieren. Die Investition von 350 Millionen US-Dollar in die weltweiten Kontrollen nennt er "ein Feigenblatt."

Schänzer unterstützt Simon allerdings hinsichtlich der Notwendigkeit, Mittel zur Forschung zu erhöhen: "Dazu fehlen der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA leider weitere Mittel über die fünf Millionen Dollar pro Jahr hinaus", sagt der Kölner Biochemiker.

Er macht deutlich: "In vielen Ländern wird zusätzlich geforscht. In Köln haben wir für diesen Zweck jährlich zwischen 500.000 und einer Million Euro zur Verfügung, auch das Labor in Kreischa hat hier einen Etat."

Von rund 250.000 Analysen jährlich weltweit wurden 2011 laut Wilhelm Schänzer rund 16.500 in Köln untersucht. Deutlich mehr (rund 40.000) sind es nur im Labor in Los Angeles.

Simon fordert den kriminalistischen Ansatz bei den Tests, auch wenn die Verbände das `Totschlagargument" benutzen würden, man dürfe die Sportler nicht kriminalisieren.

Auch Pharmakologe Fritz Sörgel hatte vor Olympia in London schon erklärt, er halte im Anti-Doping-Kampf den Einsatz von Detektiven und V-Männern für angebracht.

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