Der Erfurter Doping-Affäre steht möglicherweise eine erneute Wende bevor.

Nach Informationen des "Deutschlandfunks" kommt ein von der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zu dem Ergebnis, dass die durch den Erfurter Mediziner Andreas Franke durchgeführte Blutbestrahlung auch vor 2011 verboten war.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte diesbezüglich Ende April ihre Meinung geändert und stuft seitdem nur Behandlungen, die seit dem 1. Januar 2011 durchgeführt wurden, als Verstoß gegen die Anti-Doping-Richtlinien ein. Die NADA hatte hervorgehoben, dass die WADA-Meinung für sie "richtungweisend" sei.

NADA-Vorstand Lars Mortsiefer wollte den Bericht des "Deutschlandfunks" inhaltlich nicht bestätigen. "Es ist noch immer ein schwebendes Verfahren. Das Gutachten wird erst Ende Mai endgültig fertiggestellt sein", sagte Mortsiefer.

Sollte das Gutachten allerdings wie vom "Deutschlandfunk" vermeldet die Erfurter Behandlung auch im Zeitraum 2006 bis 2010 zweifelsfrei als verboten einstufen, sieht auch Mortsiefer Handlungsbedarf. "Dann stellt sich die Frage, was sich aus unserem Gutachten entwickeln kann. Ich denke, dass wir dann den Schritt gehen würden, die WADA erneut damit zu konfrontieren", sagte Mortsiefer und hob hervor: "Wir haben nie gesagt, dass wir die Fälle komplett ad acta legen. Wir werden uns das weiter ergebnisoffen anschauen."

Die Expertise der NADA wird durch den Tübinger Sportmediziner und Rechtswissenschaftler Heiko Striegel erstellt.

Beide Dopingagenturen hatten monatelang die Sichtweise vertreten, die Erfurter Methode sei "seit mehreren Jahren verboten". Nach diesem Stand der Dinge mussten von den ursprünglich 30 Athleten, die ins Visier geraten waren, nach SID-Informationen nur noch drei Konsequenzen fürchten. Gegen zwei davon, eine Eisschnellläuferin und einen Radsportler, laufen bereits Schiedsverfahren.

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