Die Wahlsieger Harting und Obergföll sammeln in Baden-Baden Punkte - der abwesende Vettel nicht. Er lässt Respekt vermissen.

Eine Zweitkarriere in der Politik ist Sebastian Vettel nicht zu empfehlen. Schließlich gelingt es dem inzwischen viermaligen Formel-1-Weltmeister nicht mal in einer durchgestylten und einstudierten Videobotschaft, eine Wahlschlappe schönzureden.

Natürlich, auch der zweite Platz beim Journalistenvotum zum Sportler des Jahres ist "aller Ehren wert", wie Vettel pflichtschuldig versicherte.

Doch seine zerknirschte Kampfansage für 2014 würzte er mit einem Gag, der zwar in Baden-Baden einige Lacher erntete. Der aber auch nachweist, wie sehr es den erfolgsverwöhnten 26-Jährigen nervt, sich erneut hinter Robert Harting einreihen zu müssen.

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Er werde wohl nicht nur den fünften Titel einfahren müssen, sondern "vielleicht auch anfangen, meinen Rennanzug auseinanderzureißen".

Das Zerreißen des Trikots - es ist Hartings Siegesritual, aber mit dem Hochsicherheitstextil der Formel-1-Piloten schlichtweg unmöglich.

In gewisser Weise wirft Vettel damit die Flinte ins Korn. Schlimmer ist aber, dass er Hartings Sympathie-Plus auf dessen kraftstrotzende Pose reduziert.

Der Diskus-Hüne punktete jedoch bei der Gala wieder mal als starker Typ mit kontroversen Meinungen zu vielen Themen. Vor allem aber glänzte er durch Anwesenheit.

Vettel nicht. Abermals. Und in Erwartung dessen votierte so mancher gegen ihn. Der wiederum hätte seine Vaterpflichten höchstens dann für einige Stunden vernachlässigt, wenn er mit dem Vermerk Wahlsieger eingeladen worden wäre.

So aber gehörte die Bühne ganz den starken Typen Harting und Christina Obergföll, die sich zusammen mit ihrem Trainer und neuen Ehemann Boris Obergföll (zuvor Henry) sichtlich wohlfühlte im Rampenlicht.

Dass sich dort nach ihrem historischen Triple auch die Fußballer des FC Bayern sonnen würden, überraschte keinen.

Eher schon, dass sie am Abend nach dem Abflug zur Klub-WM nach Marokko mit Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger, Holger Badstuber und Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge noch eine namhafte Delegation entsandten.

So sammelt man Sympathie-Punkte. Und durch Respekt vor den Leistungen der Mitbewerber, wie Schweinsteiger ihn bekundete: "Alle anderen hier hätten es auch verdient gehabt."

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