Doping
Ärzte von der Universität Freiburg sollen Sportlern Doping verabreicht haben © imago

Die Kriminologin Letizia Paoli erhebt im Fall der Verstrickung der Hochschule ins westdeutsche Dopingsystem schwere Vorwürfe.

München - Die als Mafia-Expertin bekannt gewordene Kriminologin Letizia Paoli beschuldigt das Umfeld der Universität Freiburg, ihre Aufklärungsarbeit im Dopingskandal um die Hochschule massiv zu blockieren.

Die Rechts-Professorin, die Ende 2009 den Vorsitz über die sogenannte Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin übernahm und die Verstrickung der Uni in das westdeutsche Dopingsystem untersucht, erhebt in der "Badischen Zeitung" nicht nur gegen Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer schwerwiegende Vorwürfe, auch gegen die Stadt Freiburg.

"Kommission stand vor dem Scheitern"

Paoli, die als Juristin einen Lehrstuhl an der belgischen Universität Leuwen hat, prangert an: "Im März 2010 lehnte Rektor Schiewer mit dem Satz "Keine Konzentrierung auf das Dopingthema und keine Zeitzeugenbefragungen" meinen detaillierten Arbeitsplan ab. Die Kommission stand darauf kurz vor dem Scheitern."

Im Februar 2011 seien auf ihre explizite Anfrage an Rektor Schiewer "die Existenz und der Verbleib aller erhaltenen Abteilungsunterlagen und der gesamten Geschäftskorrespondenz von Professor Joseph Keul im Umfang einiger tausend Blatt von einer Abteilungsleiterin des Rektorats mit einer Unwahrheit verschwiegen respektive vorenthalten" worden.

Vorwürfe gegen Rektor und Abteilungsleiterin

Laut Letizia Paoli hatte Rektorats-Abteilungsleiterin Ursula Seelhorst fünf Kisten mit brisanten Unterlagen von Keul, dem verstorbenen früheren Ordinarius für Innere Medizin und Sportmedizin der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, in ihrer Wohnung oder Garage versteckt.

Zu den mehrere 1000 Seiten umfassenden Dokumenten, die wahrscheinlich Keuls Schlüsselrolle im westdeutschen Doping belegen, gibt es erst seit 2012 Zugriff.

Laut Paoli wirft es die Frage auf, ob Rektor Schiewer das Verstecken der Unterlagen gedeckt habe.

Stadt Freiburg behindert Aufklärung

Paoli wirft auch dem früheren Rektor der Uni Manipulation vor, indem sie sagt: "Seit Juni 2012 versuchen wir den offiziellen, also von Altrektor Wolfgang Jäger nicht manipulierten Arbeitsauftrag einer Untersuchung der gesamten Freiburger Sportmedizin der letzten 50 Jahre doch noch zu erfüllen."

Behindert werde die Aufklärung auch durch die Stadt Freiburg.

Paoli: "Ich kann speziell im Fall noch immer unzugänglicher, aber ganz wichtiger Altakten nur nochmals an die Bereitschaft der Stadt Freiburg appellieren, ihre Haltung zu überdenken."

"Brüskierende Vorladung"

Die Aufklärerin kritisiert einen von Rektor Schiewer vorgeschlagenen Termin (10. September) für ihre Kommission als "brüskierende Vorladung".

Paoli: "Mitten in der Urlaubszeit werden wir ohne vorherige Terminabsprache für ein vierstündiges Gespräch kurzfristig nach Freiburg zitiert, um einen schriftlichen Sachstandsbericht über unsere bisherigen Ergebnisse vorzulegen", und wirft die Frage auf: "Hat Rektor Schiewer vergessen, dass es uns aufgrund der Geschäftsordnung strikt untersagt ist, vor der Abnahme unseres Endberichts durch die von ihm persönlich im Oktober 2012 eingesetzte Prüfungskommission irgendwelche Ergebnisse weiterzugeben?"

Es überrasche sie nicht, dass einige Kollegen ihre Bereitschaft zu diesem Gespräch zurückgezogen hätten.

Schiewer weist Anschuldigungen von sich

Schiewer wies die Anschuldigungen von sich. Die bis Ende September anstehende Beantwortung von drei Landtagsanfragen und einer Bundestagsanfrage habe die Einladung unumgänglich gemacht.

"Die Evaluierungskommission arbeitet im Auftrag des Rektors, um die Sportmedizin in Freiburg und insbesondere die Arbeit der Abteilung für Rehabilitative und Präventive Sportmedizin zeitlich unbeschränkt in allen Bereichen zu evaluieren; der Rektor kann sich jederzeit über den Sachstand informieren lassen", hieß es in einer Stellungnahme.

Wissenschaftsministerin vermittelt

Angesichts der Sprachlosigkeit zwischen Schiewer und Paoli versucht Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zu vermitteln - bislang vergeblich.

Paoli: "Ich bin Frau Ministerin Bauer ausgesprochen dankbar für ihren Einsatz. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Kommission vom Auftraggeber zum 1. Februar dieses Jahres nicht aufgelöst wurde."

Ihre Arbeit will Paoli fortsetzen und kündigt auch einen Zeitpunkt für den Abschluss ihrer Arbeit an: "In etwa einem Jahr und im Gesamtumfang von über 1000 Seiten."

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