Britta Heidemann (l.) gewinnt bei der WM in Budapest ihre zehnte WM-Medaille © getty

Das Abschneiden zeigt, dass der Verjüngsprozess greift. Mit Heidemann und Star-Coach ist der Weg nach Rio geebnet.

Budapest - Der erste Schritt auf dem Weg zu Olympia 2016 ist getan. Das Medaillenziel wurde erreicht, der Nachwuchs machte auf sich aufmerksam:

Schon vor den letzten Entscheidungen durfte sich der Deutsche Fechter-Bund (DFeB) über eine ordentliche WM in Budapest freuen.

Lediglich das Abschneiden in den Mannschaftswettbewerben am Wochenende warf einen Schatten auf den Auftritt des deutschen Teams.

Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann mit Degen-Bronze und Carolin Golubytskyi mit Florett-Silber erfüllten die - allerdings nicht gerade hoch angesetzte - Vorgabe von zweimal Edelmetall.

Pleiten gegen spätere Weltmeister

Dazu standen gleich drei jüngere Athleten dicht vor einer WM-Medaille und scheiterten jeweils nur um einen Treffer.

"Der Verjüngungsprozess greift langsam", sagte Verbandspräsident Gordon Rapp: "Die ersten jungen Athleten haben sich gezeigt. Das ist genauso wichtig wie Medaillen."

Dennoch hätten sich Max Hartung (23/Dormagen), Falk Spautz (23/Leverkusen) und Sebastian Bachmann (26/Tauberbischofsheim) über Edelmetall sicherlich mehr gefreut als über das Lob ihres Präsidenten.

Zumal Säbelfechter Hartung und Florettspezialist Bachmann jeweils nur am späteren Weltmeister scheiterten.

Heidemann ist unverzichtbar

Zählbares lieferte dafür einmal mehr Britta Heidemann.

Die zehnte WM-Medaille der Leverkusenerin war wieder einmal der Beweis, dass die Olympia-Zweite derzeit unverzichtbar ist. Was sowohl für die Erfolge auf der Planche als auch für die öffentliche Wahrnehmung der Sportart gilt.

Für ihren Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" am Samstag flog sie das "ZDF" sogar extra aus Budapest ein.

Heidemann lässt Zukunft offen

Auch deshalb will der Verband mit allen Mitteln darum kämpfen, mit Heidemann den Weg nach Rio anzutreten.

"Das wäre natürlich wünschenswert", sagte Rapp über das "mediale Zugpferd."

Sie selbst ließ alles offen - konkretisierte lediglich, dass sie im kommenden Jahr wieder "normal einsteigen" werde.

"Letztendlich entscheidet Britta", sagte Vizepräsident Dieter Lammer.

Olympiamedaille als nächstes Ziel

Während Heidemann fast schon ein Abonnement auf einen Podestplatz hat, war Einzel-Silber für Carolin Golubytskyi eine Premiere.

Die 27-Jährige ist nach ihrem internationalen Durchbruch eine der Hoffnungsträgerinnen für die Zukunft. Zumal das Ziel der ehrgeizigen Tauberbischofsheimerin klar ist: "Eine Olympiamedaille."

Star-Trainer kommt

Und die Florettfechterinnen dürften bald einen zusätzlichen Trumpf in der Hand haben.

Der italienische Star-Trainer Andrea Magro, der die sechsmalige Olympiasiegerin Valentina Vezzali zur erfolgreichsten Olympionikin ihres Landes machte, soll am 2. September beim Deutschen Fechter-Bund unterschreiben und am 15. September seinen Dienst beginnen.

Mehrere Sponsoren sind in die Finanzierung eingebunden.

Vor Rückschlägen nicht gefeit

Allerdings darf bei der WM-Bilanz nicht vergessen werden, dass sich auch die anderen Nationen im Umbruch befinden und teilweise nicht mit ihren stärksten Teams antraten.

Die "Grande Nation" Frankreich erreichte beispielsweise in den Einzelwettbewerben erstmals seit 1983 kein einziges Viertelfinale.

"Wir werden auch noch den einen oder anderen Rückschlag erleben", sagte Rapp.

Und den gab es nur wenig später. Keine Medaille in den vier ersten Teamwettbewerben.

Vor allem das Auftreten der Degenherren machte Sorgen: Das Quartett um Degen-Europameister Jörg Fiedler schaffte es nach internen Querelen nicht einmal in die Runde der letzten 16.

"Wir werden personelle Veränderungen im Team vornehmen. In der Konstellation brauchen wir nicht weiterzumachen", sagte Sportdirektor Sven Ressel nach einem mehr als enttäuschenden Platz 18: "Für mich ist Herrendegen das größte Problem derzeit."

Ressel enttäuscht

Besonders im Hinblick auf das Ziel Olympia, für das sich die Deutschen vor allem über die Mannschaften qualifizieren wollen, sind noch einige Baustellen in den Teams offen.

"Vielleicht ist so ein Ergebnis gar nicht so schlecht, jetzt müssen wir etwas verändern", sagte Ressel: "Insgesamt sind wir schon auf einem guten Weg, in der Mannschaft haben wir das leider nicht bestätigen können."

Mit Erfahrung zum Erfolg

Die Weisungsbefugnis über die Trainer hat sich der DFeB gesichert, zudem soll es mehr zentrale Maßnahmen geben, und auch verdiente und kritische Fechter sollen mit einbezogen werden.

So wie beispielsweise die Degen-Europameister Jörg Fiedler (Leipzig) und Imke Duplitzer (Halle/Saale).

"Es ist schön, wenn Jörg und Imke ihre Erfahrungen einbringen", sagte Rapp.

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