Carolin Golubytskyi holt die erste Einzelmedaille einer Florettfechterin seit 2005 © getty

Die 27-Jährige beweist Nehmerqualitäten und gewinnt Silber im Florett. Säbelfechter Hartung schrammt hauchdünn an Bronze vorbei.

Budapest - Mit blutiger Nase zu WM-Silber: Auf dem Weg zum größten Erfolg ihrer Karriere hat sich Florettfechterin Carolin Golubytskyi auch von einer Box-Attacke nicht aufhalten lassen und den deutschen Fechtern am ersten Finaltag bei den Titelkämpfen in Budapest bereits die erste Medaille beschert.

Die Tauberbischofsheimerin verlor erst im Finale gegen die Weltranglistenerste Arianna Errigo aus Italien 8:15 und sorgte damit für die erste Einzelmedaille einer deutschen Florettfechterin seit 2005 in Leipzig, als Anja Schache ebenfalls Silber gewann.

Olympiasiegerin in Klitschko-Manier

Im Halbfinale gegen Olympiasiegerin Elisa di Francisca hatte sich die EM-Dritte aber im wahrsten Sinne eine blutige Nase geholt, nachdem ihre Gegnerin sie mit der Faust im Gesicht getroffen hatte.

"Das war Boxen, es hat wirklich gut geblutet. Sie hat sich nicht mal entschuldigt", sagte Golubytskyi, bei der trotz Finalniederlage und Fast-K.o die Freude überwog:

"Mein Tag war unbeschreiblich gut. Ich habe richtig gut gefochten."

Sportdirektor über Attacke entsetzt

"Das ist unglaublich. Dass Caro in der Weltspitze mithalten kann, wussten wir. Aber dass sie es dann auch umsetzt, ist überwältigend", sagte auch DFeB-Sportdirektor Sven Ressel.

Doch auch er war über die "Kampfszene" auf der Planche entsetzt: "Es war eine brutale Aktion. Wir sind tief erschüttert, mit welcher Unfairness Di Francisca vorgegangen ist."

Die Italienerin wurde für die Aktion bestraft und verlor 12:13 im sudden death.

Innige Umarmung durch Lammer und Ressel

Souverän und ohne Probleme hatte sich dagegen Golubytskyi ins Viertelfinale gefochten.

Als sie im Gefecht um den Halbfinal-Einzug auch der Italienerin Carolina Erba beim 15:5 keine Chance ließ und mindestens Bronze perfekt machte, herrschte große Erleichterung im deutschen Team.

Sowohl Vizepräsident Dieter Lammer als auch Ressel umarmten ihren Schützling innig.

Wie bei Olympia 2012 in London

Auch im Halbfinale gegen die Favoritin aus Italien zeigte sie ihr Können und führte mit 8:6.

Doch dann erwischte Di Francisca Golubytskyi mit der Faust an der Maske - und die Deutsche saß 2:11 Minuten vor Schluss mit blutiger Nase auf der Planche.

Die Szene erinnerte stark an das Aufeinandertreffen der beiden Fechterinnen in London, als die Deutsche in Führung liegend ebenfalls von ihrer Kontrahentin im Gesicht erwischt wurde - und anschließend verlor.

Diesmal lief es jedoch anders.

Limach erstmals seit 2007 ohne WM-Medaille

Durch die dramatischste Szene des Tages geriet das Abschneiden der Säbelfechter um den Vorjahreszweiten Nicolas Limbach fast komplett in den Hintergrund.

Der Dormagener blieb nach seinem Achtelfinal-Aus gegen den späteren Weltmeister Wenjamin Reschetnikow aus Russland erstmals seit 2007 ohne Einzelmedaille.

Noch bitterer verlief der Tag für seinen Vereinskollegen Max Hartung.

Dem EM-Dritten von 2011 fehlte eine Runde später gegen Reschetnikow nur ein Treffer zu Bronze.

Damit hätten das DFeB-Team bereits nach einem Tag das Ziel von zwei WM-Medaillen erfüllt gehabt.

Hartung tief enttäuscht

"Das ist hart", kommentierte Säbel-Bundestrainer Vilmos Szabo.

"Fast eine Medaille ist halt leider auch keine Medaille", sagte der tief enttäuschte Hartung: "Ich finde, ich hätte es verdient."

Gefasster reagierte Limbach, der sich in dieser Saison hauptächlich auf sein Studium konzentriert hatte.

"Ich hätte die Serie gerne ausgebaut, aber ich kann das gut einordnen. Ich hatte nur vier Wochen WM-Vorbereitung."

Heidemann und Fiedler kämpfen um Edelmetall

Am Donnerstag stehen die Degenwettbewerbe mit Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann und Europameister Jörg Fiedler auf dem Programm.

2011 bei der letzten WM in Catania holten die Deutschen genauso wie bei den Olympischen Spielen in London 2012 einmal Silber und einmal Bronze.

Weiterlesen