Michael Vesper relativiert die Entscheidung zu Claudia Pechstein
Angeblich wurden die Doping-Versuche in Westdeutschland mit Steuergeldern bezahlt © getty

Von staatlich organisiertem Doping im Westen will der DOSB-Obere nichts hören. Den Ephedrin-Fund im Fußball relativiert er.

München - Nach den Berichten der "Süddeutschen Zeitung" über neue Anzeichen für organisiertes Doping und entsprechende Rückendeckung durch staatliche Stellen in Westdeutschland hat DOSB-Generaldirektor Michael Vesper zur Zurückhaltung gemahnt.

"Es waren eher Spekulationen und zusammenfassende Bewertungen in der 'Süddeutschen', ich denke, wir würden gerne den Bericht selber bewerten und unsere Schlüsse daraus ziehen", sagte der 61-Jährige.

DOSB will Studie analysieren

Der DOSB werde sich den Abschlussbericht genau anschauen und analysieren, dies sei Teil der Null-Toleranz-Politik gegen Doping.

Die "SZ" hatte ihren Bericht am Samstag auf die bislang unveröffentlichte Studie "Doping in Deutschland" der Humboldt-Universität (HU) Berlin gestützt.

Die HU zeige, dass "im westdeutschen Sport in einem erschreckenden Umfang und mit einer kaum glaublichen Systematik gedopt" worden sei.

Das Blatt sieht die Systematik durch mehrere Details der dreijährigen Studie als erwiesen an.

"Kein organisiertes Staatsdoping"

"Was meines Erachtens nach nicht geht, ist die Gleichsetzung dessen, was bei uns in Westdeutschland passiert ist, mit dem, was in der DDR Praxis war. Nämlich organisiertes Staatsdoping, oft ohne Kenntnis der Sportler. Da muss man schon differenzieren", sagte Vesper.

Die Ergebnisse der 2008 vom DOSB initiierten und 550.000 Euro teuren Studie sind immer noch nicht veröffentlicht. Aus dieser stammen auch die schon bekannt gewesenen Ephedrin-Vorwürfe gegen drei deutsche Fußball-Nationalspieler aus dem WM-Kader 1966 in England.

Abschlussbericht in Kürze erwartet

"Was die Mannschaft von 1966 angeht, gibt es in einem Dokument eine Anmerkung, dass bei drei Spielern feine Spuren von Ephedrin gefunden worden seien. Durch Einnahme eines Schnupfenmittels, weil sie erkältet waren. Es ist aber untersucht worden, und es ist eindeutig nicht als Doping zu werten", sagte Vesper.

"Wir sind gespannt auf den Abschlussbericht, den wir in Kürze vom BISp erwarten", sagte Vesper am Sonntag in einer offiziellen Stellungnahme des DOSB, ohne einen Termin zu nennen.

Der Bericht werde zusammen mit den Veröffentlichungen, die es von der Untersuchungskommission an der Uni Freiburg geben werde, "sicher Grundlage für eine umfassende wissenschaftliche Diskussion" sein.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) hatte für das vom DOSB initiierte Forschungs-Projekt über 500.000 Euro zur Verfügung gestellt.

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