5,9 Prozent der Sportler gaben an, regelmäßig Dopingsubstanzen zu nehmen © getty

Den alarmierenden Umfrage-Ergebnissen folgen Rufe nach mehr Geld für die NADA. Vesper glaubt nicht an sportspezifische Probleme.

Berlin - Nach den erschreckenden Ergebnissen einer Studie über die Zustände im deutschen Spitzensport haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Stiftung Deutsche Sporthilfe zu einer größeren Unterstützung des Anti-Doping-Kampfes in Deutschland aufgerufen.

Die Sorge ist berechtigt, aber deshalb kann man ja jetzt nicht die Flinte ins Korn werfen und das Kontrollsystem abschaffen. Im Gegenteil, die NADA muss strukturell und finanziell noch besser unterstützt werden", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper.

Vesper machte klar, dass die 5,9 Prozent aller Sportler, die laut Studie zu Dopingmitteln greifen würden, eine "beunruhigende Zahl" darstellten.

Doping und Manipulation fest verankert

Allerdings entspreche dieser Wert bei weitem auch nicht der landläufigen Meinung, wonach bis zu 50 oder gar 60 Prozent aller Athleten in Deutschland gedopt seien.

Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke zeigte sich von den Ergebnissen wenig verwundert: "Das überrascht mich nicht", sagte der Heidelberger Molekularbiologe, "wenn so unintelligent kontrolliert wird, wie bei uns, kann man eben nicht viele erwischen."

Die Studie der Deutschen Sporthilfe hatte erschreckende Zahlen geliefert. Aus einer anonymen Umfrage unter 1154 deutschen Spitzenathleten geht hervor, dass psychische Probleme, Dopingmissbrauch und Manipulationsversuche einen festen Platz im deutschen Sport haben.

11,4 Prozent der Athleten gaben an, unter Burnout zu leiden. Nur 46,1 Prozent beantworteten die Frage, ob sie unter der Krankheit leiden würden, mit "ehrlich nein".

Sport nur Abbild der Gesellschaft?

8,7 Prozent erklärten, schon an Absprachen über den Spiel- oder Wettkampfausgang beteiligt gewesen zu sein. 5,9 Prozent der Sportler gaben an, regelmäßig Dopingmittel einzunehmen.

"Die Studie zeigt, dass der Sport ein Querschnitt der Gesellschaft ist. Spitzensportler haben mit Fehlern, Problemen und Nöten zu kämpfen, wie dies auch der Durchschnitt der Bevölkerung tut", betonte Vesper:

"Psychische Probleme, Ess-Störungen oder Burn-Out - das sind Krankheiten, die in unserer Gesellschaft in den vergangenen Jahren einen breiten Raum eingenommen haben."

"Handeln und die Ursachen bekämpfen"

Besonders erstaunlich war jedoch, dass 5,9 Prozent der Sportler die Einnahme von Dopingmitteln zugaben.

Noch erschreckender war, dass nur etwa mehr als die Hälfte der Athleten einen regelmäßigen Doping-Missbrauch verneinte, da rund 40 Prozent auf die Frage nicht antworten wollten.

"Man kann das methodisch nicht hochrechnen und sollte diese wichtige Diskussion auch nicht so führen", meinte Sporthilfe-Vorstandschef Michael Ilgner.

Ilgner meinte aber auch: "Jede Zahl zu Leistungsmanipulationen ist alarmierend. Deshalb müssen wir handeln und die Ursachen bekämpfen. Einer der Treiber für die Befindlichkeiten der Sportler ist die Existenzangst. Diese müssen wir durch unsere Förderung und vor allem den Aufbau einer besseren beruflichen Absicherung bekämpfen."

Breuer ist verwundert

Der Vorsitzende der Athletenkommission des DOSB, Christian Breuer, äußerte sich wiefolgt zu der Studie: "Mit Verwunderung, aber großem Interesse hat die Athletenkommission die jüngste Veröffentlichung einer Befragung von Sporthilfe-geförderten Sportlern durch die Sporthochschule Köln zur Kenntnis genommen. Wir distanzieren uns entschieden von Behauptungen in den Medien, dass Sportler korrupt seien und massenhaft manipulieren würden. Das geht aus der Studie nicht hervor."

Er verspricht eine Fokussierung auf die Bedürfnisse der Sportler: "Es ist längst an der Zeit, die Nöte und komplexen Belastungen unserer Sportler auf dem Weg in die Weltspitze ernst zu nehmen und durch angemessene Unterstützungs- und Fördermaßnahmen in den Mittelpunkt der Spitzensportförderung zu rücken."

Kommission fordert Karrierechancen

Auch hinsichtlich der Existenzängste der Sportler bezieht Breuer Stellung: "300 Euro pro Monat der Deutschen Sporthilfe nehmen unseren Athleten nicht die Ängste um ihre spätere berufliche Existenz. Die Athletenkommission fordert Rahmenbedingungen für eine Duale Karriere, Ausbildung/Beruf und Spitzensport sowie ein neues Trainerkonzept; dies alles mit der Zielstellung, Weltspitzenleistungen erreichen zu können."

Auch Politik gefordert

Um diese zu erreichen, müssen mehrere Rädchen ineinandergreifen. "Es müssen die zuständigen Instanzen der deutschen Sportlandschaft ? aus Politik, Sportorganisationen und Partnern (Bildung, Wirtschaft) ? ein aufeinander abgestimmtes, flächendeckendes und schlüssig vom Nachwuchs bis zur Spitze strukturiertes Fördersystem entwickeln, um alle Ressourcen in Deutschland effektiv zu nutzen und damit unseren Athleten nicht nur die Hauptlast ihrer Sorgen zu nehmen, sondern verbindliche Lösungen für die Bewältigung der Doppelbelastung anzubieten", so Breuer weiter

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