Der Däne Bjarne Riis (l.) war 2002 und 2003 Teamchef von Tyler Hamilton © imago

Der ehemalige Radprofi wiederholt schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Teamchef - und nennt Details seiner Behandlung.

Madrid - Der frühere Radprofi Tyler Hamilton hat im Prozess um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes seinen früheren Teamchef Bjarne Riis erneut belastet.

"Es war Riis, zu dieser Zeit mein Generalmanager bei CSC, der mich mit Fuentes in Kontakt gebracht hat", sagte der Amerikaner am Dienstag in einer Video-Aussage dem Gericht in Madrid.

Zugleich beschuldigte der 41-Jährige frühere Mitstreiter der Kollaboration mit Fuentes.

"Im Juni 2004, vor der Dauphine Libere, habe ich mit anderen Fahrern für eine Transfusion eine Reise von Frankreich nach Madrid unternommen. Mit mir reisten Santi Perez, Alvaro Pino, Oscar Sevilla und Enrique Gutierrez. Wir wollten alle Fuentes sehen", sagte Hamilton.

Vorwürfe gegen Riis

Bereits im Vorjahr hatte Hamilton Riis, für dessen Team der geständige Doper 2002 und 2003 fuhr, in seinem Buch "The Secret Race" vorgeworfen, über Doping im dänischen CSC-Team im Bilde gewesen zu sein.

Riis hatte 2007 eingeräumt, bei seinem Tour-de-France-Sieg 1996 verbotene leistungssteigernde Mittel genommen zu haben.

In seiner Zeugenaussage gab Hamilton an, zwischen 2002 und 2004 mit dem angeklagten Fuentes zusammengearbeitet zu haben. Insgesamt habe er 15 Eigenbluttransfuionen erhalten, sagte er. Dabei sei entweder Fuentes oder dessen Laborchef Merino Batres anwesend gewesen.

Mutmaßlicher Kurier begeht Selbstmord

Während der Tour de France 2002 habe ihm Alberto Leon trotz fehlender medizinischer Kenntnisse eine Infusion verabreicht. Der frühere spanische Profi-Mountainbiker, der als mutmaßlicher Kurier von Fuentes gilt, hatte sich im Januar 2011 erhängt.

Der erste Kontakt mit Fuentes sei im Januar 2002 telefonisch erfolgt. "Die größte Sache war die Ausführung der Transfusionen. Ich habe auch EPO, Testosteron, Wachstumshormone und andere Dopingprodukte von ihm erhalten", sagte der aus Washington D.C. zugeschaltete Hamilton.

Fuentes habe ihm auch Instruktionen erteilt, zu welchem Zeitpunkt er welche Substanz einnehmen sollte.

Schwarzer Urin

Hamilton, der mit seinen Aussagen zum Fall Lance Armstrong beigetragen hatte, machte auch keinen Hehl aus seiner schlechten Erfahrung mit der Einnahme von Dopingmitteln. Nach einer Transfusion bei der Tour de France 2004 habe sich sein Urin schwarz gefärbt.

Die Kosten für die Dienste von Fuentes hätten in den ersten beiden Jahren zwischen 25.000 und 35.000 Euro betragen. 2004 habe er 50.000 Euro an den Arzt gezahlt.

Hamilton beendete die Zusammenarbeit mit dem Spanier, nachdem er bei der Spanien-Rundfahrt 2004 positiv getestet worden war. Nach dem Befund wurde er von seinem Phonak-Team entlassen.

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