Die Doping-Studie aus Münster und Berlin wurde 2009 vom DOSB in Auftrag gegeben © getty

Die Berliner Wissenschaftler machen ihrem Auftraggeber, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft, schwere Vorwürfe.

Frankfurt/Oder - Der Streit um die umstrittene Studie zur Aufarbeitung des Dopings in Deutschland geht in die nächste Runde und entwickelt sich immer mehr zu einem Possenspiel.

Bei einem Symposium in Frankfurt/Oder erhob die Berliner Forschergruppe erneut schwere Vorwürfe gegen ihren Auftraggeber, das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp). (NEWS: Doping-Studie endet mit Debakel)

"Unsere Berichte sind nicht veröffentlicht worden, und es wurden immer mehr Hürden und Normen aufgebaut. Im Ergebnis ist das eine Behinderung", sagte der Sporthistoriker Giselher Spitzer: "Die Verwertung der Ergebnisse durch uns ist behindert worden."

Studie findet unrühmliches Ende

Ursprünglich war die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) initiierte und mit 550.000 Euro dotierte Studie "Doping in Deutschland" vom BISp 2009 an Forscher aus Münster und Berlin vergeben worden.

Die Berliner Wissenschaftler um Spitzer hatten ihre Tätigkeit an dem Projekt im März 2012 wegen fehlender Absprachen über die Weiterfinanzierung allerdings beendet. ( 228201 DIASHOW: Die kuriosesten Doping-Ausreden )

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Über die Gründe darüber herrscht Streit. Die Forscher aus der Hauptstadt warfen dem BISp vor, Gelder bewusst gestoppt zu haben, beim BISp sieht man die Schuld bei der Humboldt-Universität.

Diese Aussage, sagte Spitzer, "könne noch Folgen haben". Die HU wies die Vorwürfe bereits am Dienstag zurück.

Abschlussbericht fehlt

Die Berliner Forscher betonten zudem, dass sie für die Phase vor der Wiedervereinigung und für Teile danach einen 804 Seiten starken Abschlussbericht erstellt hätten, dieser läge aber noch beim BISp.

Das Institut macht vor allem den Schutz von Persönlichkeitsrechten dafür verantwortlich. Grund dafür sind komplizierte datenrechtliche Bestimmungen.

Durch die internen Streitigkeiten gibt es auch keinen Abschlussbericht der Studie.

Die Münsteraner Forscher hatten am Dienstag in Berlin ihre Ergebnisse für den Zeitraum nach der Wiedervereinigung vorgestellt.

Schwerwiegende Vorwürfe

Spitzer und sein Team hatten bei einer Teilpräsentation im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt.

Westdeutschland attestierten sie für die Jahre 1970 bis 1990 ein "systemisches Doping" attestierten und Ex-NOK-Chef Willi Daume warfen sie sogar "billigende Mitwisserschaft".

Die Wissenschaftler behaupteten zudem, dass drei Fußball-Nationalspieler bei der WM 1966 das verbotene Mittel Ephedrin eingenommen hätten und damit gedopt gewesen seien.

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