Gerd Schönfelder gewann insgesamt 16 Goldmedaillen bei Paralympics © getty

Gerd Schönfelder ist der erste Behindertensportler, der zum "Champion des Jahres" gekürt wird. Harting zollt ihm Respekt.

Kreta - Die Nacht war kurz. Und ziemlich anstrengend. Mit tiefen Augenringen und heiserer Stimme kletterte Gerd Schönfelder nach durchzechter Nacht am Samstag in den Flieger gen Heimat.

Der frisch gekürte Champion des Jahres 2012 (Bericht) strahlte vor dem Abflug von Kreta noch immer.

"Das ist der Hammer. Wahnsinn - das kann man gar nicht beschreiben. Das ist noch extremer, als Olympiagold zu gewinnen", sagte Schönfelder.

Erstmals in der Geschichte der seit 2000 veranstalteten Wahl gewann mit dem ehemaligen Ski-Rennfahrer ein Behindertensportler den prestigeträchtigen Preis.

"Ich hoffe, dass das wieder einen Popularitätsschub gibt. Die Spiele von London waren ja schon das beste Beispiel, und diese Geschichte trägt auch wieder dazu bei, dass wir endlich aus der Nische der armen kleinen Behinderten rauskommen", sagte Schönfelder: "Nur wenn wir Aufmerksamkeit bekommen, können wir daran arbeiten."

Starke Konkurrenz

Der 42 Jahre alte Oberpfälzer, der seit 1992 insgesamt 16 Goldmedaillen bei paralympischen Winterspielen gewann, hatte sich bei der Abstimmung der Athleten im Robinson-Klub Kalimera Kriti auf Kreta überraschend gegen den favorisierten Diskus-Olympiasieger Robert Harting und die Gold-Beachvolleyballer Julius Brink und Jonas Reckermann durchgesetzt.

"Ich gönne ihm den Titel", sagte Robert Harting: "Er hat in den letzten Jahren viel für Menschen mit Handicap bewegt. Ich finde es toll, wenn Menschen etwas für den Sport leisten."

Erfolgreichster Athlet der Paralympics

Zusammen mit Brink, Reckermann und den ebenfalls leer ausgegangenen Olympia-Zweiten Lilli Schwarzkopf (Siebenkampf) und Björn Otto (Stabhochsprung) hatte der Berliner den neuen Champion am späten Freitagabend minutenlang mit La-Ola und tosendem Applaus gefeiert.

Der Preis ist ein Stück weit auch die Auszeichnung für Schönfelders Lebenswerk.

Mit insgesamt 22 Medaillen ist "Schöni" der bislang erfolgreichste Athlet in der Geschichte der Paralympics. Er gewann darüber hinaus 14 Titel bei Weltmeisterschaften und holte acht Mal den Gesamtweltcup.

Zudem wurde Schönfelder drei Mal zum Behindertensportler des Jahres gekürt.

Perfekter Abschluss

Dabei waren die Spiele von Vancouver 2010 sein persönliches Highlight.

"An dem Tag meines letzten paralympischen Rennens bin ich gleichzeitig auch noch Papa geworden", sagt Schönfelder: "Das war eine Sache, die man eh nicht mehr toppen kann, und da hab ich gesagt: Jetzt muss Schluss sein, besser kann man ja nicht aufhören."

Tragisches Zugunglück

Schönfelder ist ein außerordentlicher Kämpfer.

Gerade einmal 19 Jahre ist er alt, als er im Jahr 1989 bei einem tragischen Zugunglück seinen rechten Arm und drei Finger der linken Hand verliert. Anstatt mit seinem Schicksal zu hadern, nimmt er sein Schicksal in die Hand und die Herausforderung des neuen Lebens mit voller Kraft an.

Nur drei Jahre später feiert er seinen ersten Triumph bei den Paralympics.

Fahrradunfall auf Kreta

Auch auf Kreta, wo er mit 87 weiteren deutschen Spitzenathleten eine Woche Urlaub machte, zeigte Schönfelder, dass er nicht nur aufgrund seiner außergwöhnlichen sportlichen Leistungen zum Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Kulmain ernannt wurde.

Ob beim Beachvolleyball, Fußball, Pilates oder Stehpaddeln - mit seiner lockeren und aufgeschlossenen Art kam er überall gut an.

Selbst ein schwerer Sturz auf dem Mountainbike, bei dem er Schürfwunden an Armen und Beinen erlitt, konnte seiner guten Laune nichts anhaben.

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