Enorbel Marquez Ramirez spielt bei Telemarket Rimini in Italien © getty

Das deutsche Baseball-Team verpasst die Qualifikation zur World Baseball Classic. Auch eine Rotation der Pitcher hilft nicht.

Von Matthias Ondracek

Es hat nicht sollen sein, die Sensation ist ausgeblieben. Die deutsche Nationalmannschaft ist beim World Baseball Classic 2013 nur Zuschauer, wenn sich die besten 16 Nationen in den USA treffen und unter Teilnahme der MLB-Stars den offiziellen Weltmeister ermitteln.

Deutschland muss sich mindestens vier Jahre gedulden. Dann findet das wichtigste Baseball-Turnier der Welt das nächste Mal statt.

Früher Rückstand

"Kanada hat einfach eine sehr starke Mannschaft?, musste Bundestrainer Greg Frady nach der 1:11-Pleite im Finale gegenüber SPORT1 neidlos anerkennen. (BERICHT: Deutsche Baseballer verpassen Sensation)

Bereits nach zwei Innings war die Partie beim einem 0:7-Rückstand mehr oder weniger gelaufen. "Wir hatten einen denkbar schlechten Start. Gegen so ein Team ist es fast unmöglich, dann nochmal zurückzukommen", so der Coach weiter.

Wühlen in den Stammbäumen

Viel vorgenommen hatten sich die Schwarz-Rot-Goldenen vor dem Turnier im eigenen Land. Mit dem vierten Platz bei der Europameisterschaft im Gepäck reiste die Frady-Truppe nach Regensburg. Wohl wissend, dass der Weltranglisten-Fünfte aus Kanada eine schier unüberwindbare Hürde darstellt, hatte sich die Verbandsspitze um Verstärkungen bemüht.

Der amerikanische Profi-Markt wurde von vorne bis hinten auf den Kopf gestellt, um deutsch-stämmige Spieler ausfindig zu machen. Schließlich wurde der EM-Kader um 13 Minor-League-Profis und Ex-Major-Leaguer verstärkt. "Wir haben eine gute Mischung gefunden", war sich Coach Frady sicher.

Kanada zwei Mal zu stark

Der amtierende Amerika-Meister stellte sich letztendlich aber als unbezwingbar heraus. Zwei Mal musste die deutsche Equipe gegen die Kanadier ran. Die erste Begegnung konnten die Schwarz-Rot-Goldenen lange offen halten, im Endspiel war Deutschland jedoch chancenlos.

"Kanada ist eines der Top-Teams weltweit. Die Auslosung war mit Sicherheit die Schwerste?, haderte Frady mit dem Los-Pech.

Der US-Amerikaner richtet dabei den Blick nach Florida. Im zweiten von insgesamt vier Quali-Turnieren zum WBC setzte sich Spanien gegen Israel, Frankreich und Südafrika durch.

Die Iberer schafften somit das, wovon Deutschland geträumt hatte: Als drittes europäisches Team neben Weltmeister Niederlande und Europameister Italien zum World Baseball Classic 2013 zu fahren."Es ist auf jeden Fall gut für den europäischen Baseball, dass ein drittes Team vertreten ist?, sagte Frady zu SPORT1.

Kanada einfach zu gut

Im alles entscheidenden Spiel in Regensburg wurde ein Klassenunterschied deutlich. Kanada spulte sein Programm locker ab.

Der deutsche Starting Pitcher Andre Hughes war mit der Offensivkraft der ?Ahornblätter? überfordert. ?Er hat uns schon viele wichtige Spiele gewonnen. Heute hat es leider nicht funktioniert", so ein enttäuschter Bundestrainer.

Wechselspiele ohne Erfolg

Sechs Pitcher setzte Frady gegen die Kanadier ein. Doch die Wechsel-Spielchen halfen nichts. Die Nordamerikaner zeigten sich unbeeindruckt und fuhren in der dritten Begegnung ihren dritten Sieg ein.

"Wir wollten hier herkommen und uns in drei Spielen qualifizieren. Wir haben unsere Pflicht erfüllt", gab Kanadas Manager Ernie Whitt in der Pressekonferenz nach der Partie zu Protokoll.

Enttäuschung beim Rekordspieler

Für den Top-Favoriten wäre alles andere als die dritte Teilnahme bei der dritten WBC-Auflage einer Schmach gleichgekommen. (EXKLUSIV: Donald Lutz im Interview)

Für das deutsche Team war es dagegen eine vorher nie dagewesene Chance. "Auch wenn wir der Außenseiter waren, ist die Enttäuschung riesengroß. Wir hatten an unsere Chance geglaubt", so Rekordnationalspieler Jendrick Speer.

Lob an Deutschland

Dennoch ist es für die Frady-Truppe kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Das sah auch Whitt so. "Ein großes Kompliment an Deutschland. Ich ziehe meinen Hut. Die Leute hier machen einen super Job. Ich hoffe das wird nicht unerkannt bleiben", lobt der Kanadier den Ausrichter.

Es geht voran

Auch wenn dies für die Spieler wohl nur ein kleiner Trost sein wird, so hat das Baseball-Entwicklungsland Deutschland einmal mehr bewiesen, dass nicht viel fehlt nach ganz oben. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der Sprung in die Weltspitze gelingt.

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