Max Kepler spielt seit 2011 bei den Minnesota Twins in der American League © getty

Sein Wechsel zu Minnesota sorgte vor Jahren für Aufsehen - dann wurde es still. Nun will der Youngster bei der EM auftrumpfen.

Von Matthias Ondracek

Rotterdam - Es ist ruhig geworden um Max Kepler-Rozycki. Der Hype um den Nachwuchs-Baseballer ist längst verflogen.

Wie viele tausend andere versucht der Deutsche sich einen Weg durch die amerikanischen Minor Leagues zu bahnen.

Und alle haben denselben großen Traum, eines Tages den Sprung in die MLB zu schaffen.

Gut drei Jahre ist es nun her, seitdem das Ausnahmetalent zum europäischen Rekordspieler wurde. 800.000 Dollar Handgeld ließen sich die Minnesota Twins die Dienste des gebürtigen Berliners kosten - eine stattliche Summe.

Einen Teil seines "Signing Bonus" investierte Kepler-Rozycki in eine Wohnung in Florida. "Dass ich im Spring Training immer da sein kann", erklärt der 19-Jährige: "Außerdem habe ich mir ein Auto gekauft, das ich gerne haben wollte."

"Es ist stiller geworden"

Ansonsten ist für Kepler - den Beinamen Rozycki hat der Jungstar der Einfachheit halber inzwischen abgelegt - der ganz normale Baseball-Alltag eingekehrt.

Mit einem Schmunzeln erinnert sich der Outfielder an seine Vertragsunterschrift. "Das war damals schon ziemlich krass", blickt der Deutsche zurück. "Jetzt ist es nicht mehr so. Es ist ein bisschen stiller geworden und das finde ich auch besser", gesteht Kepler. Lediglich drei Interviews im Jahr führe er heute noch. "Wenn es hoch kommt."

Krasse Playoffs

So bleibt für den Jungprofi genug Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Mit den Elizabethton Twins gewann der Deutsche in diesem Jahr die Meisterschaft in der Rookie Appalachian League.

In einer dramatischen Finalserie setzte sich das Nachwuchs-Team der Minnesota Twins gegen die Burlington Royals durch. "Für mich waren es die krassesten Playoffs, die ich je erlebt habe", sagt Kepler beeindruckt.

Leistungsträger Kepler

Persönlich kann der ehemalige Regensburger mit seiner Saison ebenfalls zufrieden sein.

Mit 49 Runs Batted In führte er sein Team an. Zudem gelangen Kepler zehn Homeruns, das war der zweitbeste Wert in seiner Mannschaft.

Schon 2011 spielte der deutsche Nationalspieler in Elizabethton. In dieser Saison konnte er davon profitieren. "Es ist mir auf jeden Fall viel leichter gefallen, das gleiche Pitching zu sehen", so Kepler.

Schritt für Schritt nach oben

Über seine Entwicklung sagt der Linkshänder: "Ich habe mich, glaube ich, sehr verbessert - vor allem was die Power betrifft."

Die Einschätzung der Coaches kennt der Deutsche nicht. Dies ist offenbar ein gutes Zeichen. "Nur wenn was schief läuft, kommen sie auf dich zu und sagen, was du falsch gemacht hast. Ansonsten bist du schon auf dich allein gestellt", beschreibt der Twin.

Im nächsten Jahr wird der Rekordmann eine Stufe höher klettern.

Vielleicht schon Single A Advanced?

"Ich habe ein paar Gerüchte gehört, dass ich vielleicht sogar Single A Advanced spielen werde, wenn ich ein gutes Spring Training habe", verrät Kepler. Sollte dieser Fall eintreten, würde der Jungstar eine Stufe überspringen.

"Ansonsten bin ich nächstes Jahr auf jeden Fall in Low A mit dabei", so der Deutsche weiter. Sicher ist: Zurück nach Elizbethton in die Rookie League geht es vorerst nicht mehr.

MLB fest im Visier

So oder so, die Major League ist immer noch mindestens zwei Stufen entfernt. Dennoch hat der ehrgeizige Nachwuchs-Profi das große Ziel fest im Visier.

"Ich hoffe schon, dass ich in den nächsten Jahren dort hinkomme", liebäugelt der 19-Jährige. Überstürzen will der Wahl-Regensburger aber nichts. "Geduld ist wie immer der Schlüssel", sagt Kepler mit einem Lächeln.

Topleistung in der Nationalmannschaft

Während die Saison in den Minor Leagues bereits beendet ist, geht sie für Kepler erst so richtig los. Momentan weilt das Top-Talent mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in den Niederlanden.

Deutschland kämpft um die Medaillen und der Jungspund ist einer der besten Spieler im Team. Zwei Homeruns gelangen dem Linkshänder in bisher fünf Partien. Im ganzen Turnier schlug kein Akteur den Ball häufiger über den Stadionzaun.

DBV-Team in Runde zwei

"Für Deutschland zu spielen ist mir sehr wichtig. Ich freue mich immer wieder, die alten Spieler und Freunde zu sehen", so Kepler.

Die DBV-Auswahl zog mit nur einer Niederlage souverän in die Zwischenrunde ein (News).

Mit Titelverteidiger Italien hat das Team von Bundestrainer Greg Frady nun einen dicken Brocken vor der Brust. Will man das Finale erreichen, darf man sich wahrscheinlich keine Niederlage erlauben.

"Wir haben eine richtig gute Mannschaft dieses Jahr und viel Talent. Wir haben auf jeden Fall eine Chance", gibt sich der Jungstar optimistisch. Bei der letzten Auflage holte Deutschland die Bronzemedaille. Edelmetall ist auch diesmal das erklärte Ziel. "Ich hoffe, dass wir es durchziehen", so Kepler.

Kampf um World Baseball Classic 2013

Das ganze große Highlight des Jahres steht Kepler Co. allerdings erst nach der Europameisterschaft ins Haus.

Vom 20. bis zum 24. September kämpft das Nationalteam in Regensburg mit Kanada, Tschechien und Großbritannien um einen Platz beim World Baseball Classic 2013.

Dies ist das wichtigste Turnier für Nationalmannschaften überhaupt. Bei der Endrunde treten alle Major-League-Profis an. Erstmals wird bei dem von der MLB ausgetragenen Wettbewerb auch der offizielle Weltmeister gekürt.

Freude über Regensburg-Rückkehr

Für Kepler ist die Rückkehr an den Ort seiner Entdeckung etwas ganz besonderes. "Ich freue mich sehr. Ich freue mich sogar unglaublich, wieder nach Regensburg zu kommen", schwärmt der Twins-Profi.

Vor seiner Vertragsunterschrift spielte der Berliner zwei Jahre für den ortsansässigen Baseball-Klub der Legionäre. In der Talentschmiede in der Oberpfalz erhielt Kepler den letzten Feinschliff für seine Profi-Karriere - eine Karriere, die vielleicht schon bald in die Major League führt.

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