Bradley Wiggins (l., mit Andy Murray) gewann 2012 die Tour de France © getty

Murrays US-Open-Erfolg ist der krönende Abschluss eines Sommers, in der die Briten sich selbst und die ganze Welt feierten.

London/München - Und jetzt auch noch Andy Murray mit seinem ersten Grand-Slam-Titel: Dieser Sportsommer wird in Großbritannien wohl ewig in Erinnerung bleiben.

Großväter werden später ihren Enkeln erzählen, wie das war, damals, 2012.

Als Bradley Wiggins als erster Brite die Tour de France gewann, als die Olympischen und Paralympischen Spiele in London von emotionalen Höhepunkten getragen wurden.

Und als schließlich der gebürtige Schotte Murray bei den US Open in New York seinen ganz persönlichen Finalfluch besiegte.

"Der magische Murray wurde zum König von New York gekrönt", titelte der "Daily Telegraph". Das Boulevardblatt "Sun" jubelte: "Yankee doodle Andy! Murray gewinnt die US Open."

Der Zeitpunkt perfekt

Der "Daily Mirror" erzählte "Andy's Märchen in New York", der "Independent" sah einen "beeindruckenden Triumph", mit dem Murray einen "superben britischen Sportsommer beschloss".

76 Jahre nach Fred Perry hatte Andy Murray erstmals wieder einen britischen Grand-Slam-Sieg geholt.

Klar, wann sonst hätte dieser Bann gebrochen werden können, wenn nicht in diesem Sommer?

"Ich werde immer nur Brad sein"

Ein Sommer, in dem erstmals ein Brite in Gelb auf die Champs Elysees in Paris einbog und das größte Radrennen der Welt für sich entschied.

Bradley Wiggins, der in London dann auch noch Olympia-Gold im Zeitfahren holte und seither einen popstarähnlichen Status hat. Seine markanten Koteletten wurden Kult, seine Bekanntheit ist ihm selbst fast schon unheimlich.

"Ich werde immer nur Brad sein", sagt er.

Goldener Tag bei Olympia

Ein Sommer, in dem die britischen Bahnradfahrer um Chris Hoy das olympische Velodrom in ein Tollhaus verwandelten und eine beinahe südamerikanische Begeisterung entfachten.

Ein Weltrekord reihte sich an den nächsten, sieben von zehn möglichen Goldmedaillen wurden eingefahren.

Ein Sommer, in dem der 5. August bei Olympia zum "Super Saturday" wurde, als die Briten in einen regelrechten Goldrausch verfielen.

Sechsmal Gold an einem Tag, vom Rudern über Radsport bis hin zur Leichathletik mit Läufer Mo Farah, Siebenkämpferin Jessica Ennis und Weitspringer Greg Rutherford.

Das Königreich taumelte von einem Freudentanz in den nächsten.

Coe verändert den Blickwinkel

Ein Sommer aber auch, in dem London paralympische Maßstäbe setzte.

Nicht nur aufgrund der hochwertigsten Wettkämpfe der Geschichte, sondern auch in punkto Toleranz, Offenheit und Optimismus.

"Haben wir nicht wundervolle Tage zusammen verbracht? Wir werden in diesem Land den Sport von nun an mit anderen Augen sehen, und wir werden Behinderungen mit anderen Augen sehen", sagte Organisationschef Sebastian Coe.

Ein gerechfertigtes Resümee.

Fußballer tanzen aus der Reihe

Die Briten fahndeten seit den für sie katastrophalen verlaufenen Spielen 1996 in Atlanta nach den Besten der Besten.

Ob Sportler, Trainer oder Betreuer - die Suche ging weit über die Küsten der Insel hinaus. Mit staatlicher Unterstützung wurde viel Geld investiert.

Die Kräfte wurden auf Sportarten konzentriert, in denen die Briten ihre Stärken vermuteten. Es mündete im "Summer of 2012".

Man stelle sich jetzt vor, die englischen Fußballer hätten bei der EM in Polen und der Ukraine...

Aber gut, es regnet auf der Insel ja trotzdem noch hin und wieder.

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