Sarah Hebert wurde 2007 Europameisterin und Vize-Weltmeisterin im Surfen © getty

In 25 Tagen will Sarah Hebert den Atlantik überqueren - trotz eines Herzschrittmachers. Sie verzichtet sogar auf Olympia.

Dakar - Die Weite des Meeres, das Wellenrauschen und ihr gelbes Surfbrett:

Das ist ihr Leben, das braucht Sarah Hebert zum Überleben - genau wie ihren kleinen Helfer am Herzen.

22 Jahre alt war die blonde Französin, als die Ärzte sie mit der schockierenden Diagnose konfrontierten: ventrikuläre Tachykardie, ein Herzfehler!

Sechs Jahre später überquert Hebert den Atlantik: 4000 Kilometer von Dakar im Senegal bis zur Karibikinsel Guadaloupe: Bis zu acht Stunden surft sie am Tag.

Mit dem Herzen ist alles möglich!

"Ich liebe den Ozean"

Dakar vergangene Woche: Sarah Hebert kann es kaum noch erwarten, endlich wieder den Atlantik unter den Füßen zu spüren.

Ein letzter Knoten an ihrem Segel, dann kann sie in ihr Element.

Auf dem Meer ist die Französin groß geworden, zwölf Jahre bereiste Heberts Familie die Welt auf einem Segelboot.

Der Atlantik ist ihr Zuhause. "Ich liebe den Ozean", sagt sie.

300 Herzschläge pro Minute

Dass eine zierliche Frau mit einem Herzfehler die Belastung von 4000 Kilometern auf einem Surfbrett schultern kann, ist kaum vorstellbar - wenn man Sarah Hebert nicht kennt.

Dreimal holte die Französin bis 2005 den nationalen Meistertitel im Windsurfen, sie näherte sich dem Zenit ihrer Karriere.

Doch dann nahm ihr eine Routineuntersuchung plötzlich jeglichen Wind aus dem Segel.

Der Arzt stellte fest, dass ihr Herz beim Training bis zu 300-mal in der Minute schlug - es bestand die Gefahr eines Herzinfarktes.

Mit Herzschrittmacher zum EM-Titel

Seit dem 1. März 2006 reguliert nun ein winziger Herzschrittmacher Heberts Herz, indem er kleine elektrische Impulse aussendet.

Zwei Monate nach dem Eingriff stand die Französin schon wieder auf dem Surfbrett und gewann im selben Jahr die Europameisterschaft, es folgten weitere herausragende Leistungen wie WM-Silber 2007.

"Mit Mut ist nichts unmöglich"

Doch es sind nicht die Medaillen, die die 28-Jährige immer wieder auf das Meer herausziehen.

Die Olympischen Spiele in London verpasst die Windsurferin, der Traum von der Überquerung des Atlantiks war größer.

"Was ich brauche, ist das Wasser, um zu zeigen, dass mit Mut nichts unmöglich ist", sagt Hebert - sogar als erste Frau mit einem "handelsüblichen" Brett den Atlantik zu überqueren.

Ohne Telefon auf den Kapverden

Die Kapverdischen Inseln hat die 28-Jährige inzwischen schon passiert und damit etwa ein Drittel der Strecke zurückgelegt.

Allerdings nicht ohne Zwischenfall. Beim Wechseln des Segels verlor Hebert ihr Satellitentelefon, lebenswichtig auf dem weiten Ozean.

Ohne wäre sie im Ernstfall nicht mehr zu lokalisieren. Hebert drehte um, ließ sich vom Freund ein neues schicken und machte sich wieder auf den Weg, motivierter denn je.

Ein Dutzend Segel und ein Alarm-System

Nachts erholt sich Hebert auf dem Beiboot von den Strapazen, ein Physiotherapeut knetet ihr den Muskelkater aus den Armen und Beinen.

Mit an Bord sind auch das neue Satellitentelefon, vier Ersatzbretter, ein Dutzend Segel und ein Alarm-System.

Mit einem satellitengesteuerten System kann die Crew genau ermitteln, wo Hebert am nächsten Morgen wieder ihr Segel in den Wind stellen muss.

"In 80 Tagen um die Erde"

Dann ist die Frau aus der Bretagne wieder alleine - mit ihrem Surfbrett, dem Ozean und Jules Verne.

"In 80 Tagen um die Erde" heißt eines der Hörbucher, dem sie auf dem Wasser lauscht.

Sarah Heberts Reise soll nach 25 Tagen ein Ende finden: In Saint Francois auf Guadaloupe.

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