IOC-Präsident Jacques Rogge hat Russlands Stabhochsprung-Weltmeisterin Jelena Issinbajewa wegen ihrer Aussagen zum Thema Homosexualität scharf kritisiert.

"Das war enttäuschend", sagte der Belgier in einem Interview mit der "BBC" in London: "Glücklicherweise hat sie ihre Aussagen später revidiert, aber sie hätte das gar nicht erst sagen dürfen. Da war sie schlecht beraten."

Issinbajewa hatte nach ihrem WM-Triumph das Anti-Homosexuellen-Gesetz in ihrer Heimat vehement verteidigt. Sie fürchte um die Zukunft ihres Landes, sollte das umstrittene Dekret keine Anwendung finden.

"Wenn wir all diese Dinge auf unseren Straßen zulassen, würden wir Angst um unsere Nation haben", sagte die Weltmeisterin, die als Unterstützerin des Präsidenten Wladimir Putin gilt.

"Wir verstehen uns als traditionelles Volk", sagte Issinbajewa: "Männer sollten Frauen lieben und umgekehrt. Dies ergibt sich aus der Geschichte. Ich hoffe, dass dieses Problem nicht die Olympischen Winterspiele in Sotschi belastet."

Kritische Aktionen gegen das Gesetz nannte Issinbajewa "nicht respektvoll gegenüber unseren Menschen und Sportlern. Wir sind Russen, wir sind vielleicht anders als die Europäer, aber wir setzen unsere Regeln nicht über ihre. Ich unterstütze unsere Regierung."

Später hatte sie ihre Aussagen relativiert. Sie sei selbstverständlich gegen jede Diskriminierung von Homosexuellen, sagte die 31-Jährige, Botschafterin von Jugend-Olympia und 2014 Bürgermeisterin des Olympischen Dorfes in Sotschi.

Angesichts der heftigen Reaktionen auf ihr ursprüngliches Statement verwies sie auf Übersetzungs-Probleme: "Englisch ist nicht meine Muttersprache. Ich bin wohl missverstanden worden."

Per Gesetz steht seit Juni in Russland die Verbreitung von Informationen über Homosexualität an Minderjährige unter Strafe.

Das von Putin unterzeichnete Gesetz hatte international Zweifel an der Offenheit und den Gastgeberfähigkeiten Russlands aufkommen lassen. Es wurden Forderungen nach einem Boykott der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 laut.

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