Der unter Mordanklage stehende Paralympics-Star Oscar Pistorius kommt gegen Zahlung einer Kaution aus der Untersuchungshaft frei. Das entschied das Magistratsgericht in Südafrikas Hauptstadt Pretoria nach viertägiger Anhörung am Freitag.

Die Angehörigen von Pistorius brachen nach der Entscheidung in Jubel aus. Die Staatsanwalt hatte Pistorius' Verbleib in der Untersuchungshaft bis zum Prozess angestrebt. Der Auftakt ist für den 4. Juni angesetzt.

Die Höhe der Kaution beträgt eine Million Rand (rund 85.000 Euro) in bar oder Garantien. "Ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass die Aussagen des Angeklagten eine Freilassung aus der Untersuchungshaft rechtfertigen", erklärte Richter Desmond Nair.

Zuvor hatte er zwei Stunden lang die Argumente der Anklage und der Verteidigung aufgezeigt. Nach seiner Freilassung muss Pistorius der Polizei seine Waffensammlung übergeben, zudem erhielt er ein Alkoholverbot.

Beobachter hatten zuvor bereits vermutet, dass die Beweisführung der Ankläger nicht für eine Ausdehnung der U-Haft ausreichen werde.

Zudem sah sich die südafrikanische Polizei gezwungen, den leitenden Ermittler Hilton Botha zu ersetzen. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Botha selbst unter dem Verdacht des versuchten Mordes steht.

Staatsanwalt Gerrie Nel hatte dagegen gesagt, Pistorius wisse, dass eine lange Haftstrafe "beinahe garantiert" sei. Daher bestehe Fluchtgefahr.

Pistorius, der bei den Paralympics insgesamt sechsmal Gold gewann, war während der Anhörung am Freitag in Tränen ausgebrochen. Richter Nair sah sich genötigt, seine Ausführungen zu unterbrechen und sich nach dem Zustand des Angeklagten zu erkundigen.

Oscar Pistorius wird beschuldigt, am 14. Februar seine drei Jahre ältere Freundin Reeva Steenkamp in seinem Haus in Pretoria ermordet zu haben. Das ehemalige Model war von vier Schüssen getroffen worden. Pistorius hatte seine Unschuld beteuert.

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