Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat eine gravierende Regeländerung für Athleten mit einem Handicap auf den Weg gebracht. Demnach sollen Sportler, die Prothesen oder weitere technische Hilfsmittel benötigen, künftig getrennt von Athleten ohne Handicap gewertet werden.

"Es geht uns nicht um den Ausschluss von Behinderten. Es geht uns darum, Leistungen, die mit technischen Hilfsmitteln erbracht worden, getrennt zu bewerten", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop und bestätigte einen Bericht des Magazins "Spiegel": "Es geht uns auch darum, mühsame Diskussionen zu verhindern, wenn in Einzelfällen geprüft wird, ob eine Prothese einen Vorteil bedeutet."

Der DLV drängt nach "Spiegel"-Angaben den Weltverband IAAF, seine Regelung zu übernehmen, die von Januar 2013 an gilt. In diesem Fall wäre ein Start eines Leichtathletik-Stars wie 400-Meter-Läufer Oscar Pistorius bei Olympischen Spielen kaum zu realisieren. Der beinamputierte Südafrikaner, der auf Hightech-Karbon-Prothesen sprintet, hatte sich sein Startrecht bei den Nichtbehinderten erst mühsam erkämpfen müssen.

Paralympics-Sieger Heinrich Popow regierte mit deutlicher Kritik auf den DLV-Vorstoß. "Sollte der DLV den gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Behinderungen aktiv verhindern, ist das ein Skandal und weit entfernt von der Lebenswirklichkeit und dem Sport. Der DLV zementiert damit die Spaltung des Sports und zerstört die Vorbildfunktion der Leichtathletik für die Gesellschaft insgesamt", sagte der 29-Jährige.

Prokop hielt dem entgegen, dass gemeinsame Wettkämpfe weiter erwünscht seien. "Behinderte Sportler sind bei unseren Wettkämpfen auch künftig herzlich willkommen", sagte der DLV-Präsident.

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