Russlands Staatschef Wladimir Putin hat mit einem Telefonanruf bei Speerwerfer Dimitri Tarabin unmittelbar vor dem Finale offenbar ein Debakel für seine Nation und eine Sensation für Kenia verhindert.

"Dreieinhalb Stunden vor dem Finale hat mich Präsident Putin angerufen. Er sagte, er glaube an mich und meine Frau und erwarte Medaillen", sagte der 21 Jahre alte Tarabin, der mit seinem letzten Versuch auf 86,23 m noch Bronze gewann.

Bis dahin hatte der Kenianer Julius Yego (85,40) auf dem dritten Platz gelegen - es wäre die erste Speerwurf-Medaille für das ostafrikanische Land, das vor allem für seine Läufer bekannt ist, bei einer internationalen Meisterschaft gewesen.

"Vor dem letzten Versuch habe ich daran gedacht, dass er (Putin, d. Red.) vielleicht zuschaut und auf eine Medaille wartet", sagte Tarabin, der als Jahres-Weltbester (88,84) als einer der großen Favoriten im Luschniki-Stadion galt.

Platz vier wäre für Russland zu wenig gewesen. Tarabins Frau Maria Abakumowa gilt bei den Frauen als Top-Favoritin auf Speerwurf-Gold. Auch Christina Obergföll (Offenburg) und Linda Stahl (Leverkusen) wollten im Finale am Sonntag (14 Uhr) eine Medaille.

Bei den Männern holte sich Europameister Vitezslav Vesely aus Tschechien den Titel. Der Schützling von Speerwurf-Legende Jan Zelezny erzielte seine Siegweite von 87,17 m schon im ersten Versuch und schockte so die Konkurrenz. Silber ging an Ex-Weltmeister Tero Pitkämäki aus Finnland (87,07).

Hätte Putin nicht bei Tarabin angerufen und diesen ordentlich motiviert, wäre Yego erst der zweite Afrikaner nach Marius Corbett gewesen, der eine Speer-Medaille gewonnen hätte.

Entsprechend groß war die Enntäuschung bei dem 24-Jährigen. Corbett hatte 1997 in Athen Gold für Südafrika geholt.

Titelverteidiger Matthias de Zordo (Magdeburg) verpasste die WM nach einem Achillessehnenriss. Das deutsche Trio Lars Hamann (Dresden), Thomas Röhler und Bernhard Seifert (beide Jena) war in der Qualifikation ebenso gescheitert wie Olympiasieger Keshorn Walcott (Trinidad und Tobago).

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