Nach der Glanzvorstellung des ukrainischen Gold-Hochspringers Bogdan Bondarenko bei der WM in Moskau fürchtet Javier Sotomayor erstmals um seinen Weltrekord.

"Ich bin ein wenig nervös", sagte der Kubaner auf der Homepage von Radio Habana Cuba: "Es ist das erste Mal, dass ich einen Springer mit den Fähigkeiten sehe, meinen Rekord zu verbessern. Bondarenko kann diese Marke erreichen. Er hat das Selbstvertrauen, das man im Hochsprung braucht."

Bondarenko hatte am Donnerstag in Moskau 2,41 m übersprungen und sich dreimal vergeblich an 2,46 m versucht.

Den Weltrekord von 2,45 m stellte Sotomayor am 23. Juli 1993 im spanischen Salamanca auf. Danach war er positiv auf Doping getestet worden, 1999 auf Kokain und 2001 auf Nandrolon.

"Ich wusste, dass ich hier so hoch springen muss, um zu gewinnen. Ich bin mir sicher, dass ich den Weltrekord früher oder später brechen werde - ich hoffe, dass es früher wird", meinte Bondarenko.

Hinter Bondarenko gab es mit 2,38 m Silber für den Olympiadritten Mutaz Essa Barshim (Katar), einem der wenigen im Scheichtum geborenen Weltklasse-Athleten, und den höhengleichen Kanadier Derek Drouin.

2,35 m reichten Russlands Olympiasieger Iwan Uchow nicht mehr zu einer Medaille. Diese Höhe war im Mai 1980 noch Weltrekord gewesen, als Dietmar Mögenburg (Leverkusen), der am Tag von Bondarenkos Gold 52 Jahre alt wurde, im saarländischen Rehlingen zum Höhenflug ansetzte.

Die Marke hielt nicht lange, am 1. August wurde der Schweriner Gerd Wessig mit 2,36 m im Luschniki-Stadion überraschend Olympiasieger.

Bondarenko wirkte während des zweieinhalb Stunden langen Wettkampf extrem fokussiert, wählte mit 2,29 m die größte Anfangshöhe, ließ die nächste Höhe aus aus und floppte im ersten Versuch über 2,35 m, ließ wieder aus und überquerte 2,41 m im zweiten Versuch.

2,46 m riss Bondarenko zweimal knapp, beim dritten Anlauf fehlte ihm die Kraft.

Der 23-Jährige hatte seine Bestleistung innerhalb eines Jahres um ganze zehn Zentimeter gesteigert. Anfang Juli hatte er in Lausanne schon 2,41 m geschafft.

Höher oder genauso hoch wie der Sohn eines Zehnkämpfers sprangen unter freiem Himmel bisher neben Sotomayor nur der Schwede Patrick Sjöberg beim Europarekord (2,42 m/1987), der damalige Sowjet-Athlet Igor Paklin (2,41 m/1985) sowie Carlo Thränhardt, dessen 2,42 m seit 1988 deutscher Hallenrekord sind.

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