Diskus-Olympiasieger Robert Harting sieht deutsche Athleten nach dem Wirbel um die Studie zur Doping-Vergangenheit Westdeutschlands unter Generalverdacht gestellt.

"Man fühlt sich wie ein Banker in der Wirtschaftskrise. Da gab es aber auch einige gute Banker", sagte Harting eine Woche vor dem Start der Leichtathletik-WM in Moskau (10. bis 18. August).

Der 2,02-m-Hüne forderte die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) auf, sich in der heiklen Situation vor die Athleten zu stellen.

"Da müsste die NADA jetzt mal in die Offensive gehen und sagen, dass in den letzten zwei Jahren 500 Dopingproben genommen wurden, von denen 99 Prozent negativ waren", sagte der gebürtige Cottbuser, der in der russischen Metropole seinen dritten WM-Titel anpeilt.

Der wurf- und wortgewaltige Diskus-Riese forderte in der Doping-Debatte mehr Differenzierung.

"Man darf die Verhältnisse von früher, die Schande, nicht in die Gegenwart kopieren. Das heißt nicht, dass ich gegen ein Anti-Doping-Gesetz bin. Im Gegenteil", sagte Harting:

"Seinerzeit herrschte Kalter Krieg in Ost und West. Die Sportler wurden instrumentalisiert. Damals waren die Sportler wie Hybrid-Wesen, die wenig über ihren Körper wussten."

Kein Verständnis zeigte Deutschlands einziger Leichtathletik-Olympiasieger in der Doping-Debatte für die unterschiedliche Beurteilung von Sportlern in Ost und West.

"Bei der Aufarbeitung im Osten wurden sofort alle Namen genannt. Das gilt nun für den Westen nicht. Das darf nicht sein. Auch hier müssen Ross und Reiter genannt werden", sagte der Modellathlet.

Kritik übte Harting auch an Ines Geipel, Vorsitzende des Vereins "Deutsche Doping-Opfer-Hilfe", die insbesondere die Leichtathletik mit Doping-Anschuldigungen belastet hatte.

"Für so etwas habe ich kein Verständnis", sagte der Kapitän des deutschen WM-Teams für Moskau:

"Das empfinde ich als Beleidigung der Athleten. Von einem Opfer hätte ich etwas mehr Defensive erwartet. Es ist sehr traurig, wenn sie mit solchen Aussagen ihren Seelenfrieden findet."

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