Robert Harting wurde 2012 zum Sportler des Jahres in Deutschland gewählt © getty

Der Diskus-Olympiasieger tritt mehr denn je für die neue Sportlotterie als Förderprogramm ein - und den Bedenken entgegen.

Berlin - Geld = Medaillen: Für Diskus-Olympiasieger Robert Harting soll dies zur Erfolgsformel der ab dem kommenden Frühjahr geplanten Deutschen Sportlotterie werden.

"Wir hoffen, dass es mit Hilfe unseres Förderprogramms möglich wird, nach rund fünf Jahren erste Medaillen bei Olympia zu gewinnen", sagte der Berliner bei der Vorstellung des von ihm mit auf die Beine gestellten Projekts.

Harting trat dabei auch allen Skeptikern entschieden entgegen, die in der Lotterie ein bloßes Umverteilungsmodell von Lottogeldern sehen.

Wie der weltbeste Diskuswerfer bei "Roberts Förderfrühstück" in Berlin erklärte, sei die Sportlotterie kein Konkurrenzprodukt zum herkömmlichen Lottospiel.

Grundförderung soll steigen

"Unsere Zielspieler sind andere. Sie spielen nicht, um wie bei 6 aus 49 Geld zu machen. Sie spielen in erster Linie, um das Sportsystem zu unterstützen", sagte Harting.

Er zeigte jedoch auch Verständnis für den organisierten Sport, der sich um die Förderung des Sports durch Lotto in Höhe von rund 500 Millionen Euro pro Jahr sorgt.

"Es ist beim DOSB eine gewisse Zurückhaltung für unser Projekt zu spüren. Da gibt es die Angst, die Lotto-Förderung zu verlieren", sagte der 2,01-Meter-Hüne, der mit seinem Modell die Grundförderung deutscher Top-Athleten von jetzt 300 auf rund 1000 Euro erhöhen möchte.

Neue Zielgruppe

Hartings Geschäftspartner Gerald Wagener betonte ebenfalls, dass es mit dem herkömmlichen Lotto nur wenig Schnittmengen geben würde.

"Wir haben selbst Marktforschung betrieben. Mit unserer Lotterie werden wir einen Markt bedienen, der nur zu einem geringen Prozentsatz Menschen anspricht, die normalerweise Lotto oder Soziallotterien spielen", sagte der Unternehmer, der 70 Prozent an der neuen Gesellschaft hält.

Hauptpreis 250.000 Euro

Die Lotterie-Initiatoren haben beim Land Rheinland-Pfalz eine Lizenz beantragt und wollen in wenigen Monaten starten. Ein Los soll 2,50 Euro kosten, der Hauptpreis 250.000 Euro betragen.

Gezogen werden sollen die Sieger des Farben- und Zahlenspiels einmal wöchentlich. Von jedem Euro, der reinkommt, sollen mindestens 30 Cent an die Sportler gehen.

An welche Athleten das Geld fließt, soll von der Sporthilfe sowie einem vierköpfigen Beirat entschieden werden, dem Harting angehört.

Verringerung des Existenz-Risikos

Noch am Morgen war Harting die finanzielle Not deutscher Athleten in Gestalt einer Eiskunstläuferin am Berliner Olympiastützpunkt über den Weg gelaufen.

"Ich traf sie beim Physio. Sie erzählte mir, dass sie gerade ihren Eis-Partner verloren habe. Der hatte mit dem Sport aufgehört, weil er eine größere finanzielle Sicherheit braucht", berichtete der einzige London-Olympiasieger unter Deutschlands Leichtathleten und betonte: "Wir müssen das Risiko der Existenz verringern, um die Risiko-Bereitschaft für den Sport zu erhöhen."

Nicht alles ist Ehrenamt

Während Harting als "externes Mitglied" der neuen Lotterie die Ziele des Programms zumindest noch andeuten konnte, durfte Gesellschafter Wagener wegen der vielen Einschränkungen der Lottogesetze so gut wie nichts sagen.

Dennoch konnte sich der Selfmade-Mann aus Krefeld und frühere "Schneekoppe"-Chef einige Hinweise über seinen Gewinn bei dem Projekt nicht verkneifen.

"Das wird der schlechtbezahlteste Job meines Lebens, aber ehrenamtlich mache ich das nicht", sagte Wagener und erklärte: "Meine Frau hat einen seriösen Job. Sie zahlt mir monatlich ein Taschengeld."

Vorbild Großbritannien

Der eher hemdsärmelige Unternehmer steht schon seit Jahren in Kontakt zu Harting.

Die zündende Idee zur Lotterie kam dem 52-Jährigen bei Olympia in London. "Ich habe mich geärgert, weil unsere Athleten so schlecht abgeschnitten haben", erklärte der Geschäftsmann.

Zum Vorbild wurde das Konzept der britischen Sportlotterie. Deren Erlös von jährlich weit über 300 Millionen Pfund sei erfolgreich über UK Sports an Athleten verteilt worden.

Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Nachdem die Briten bei Olympia 1996 in Atlanta nur eine Goldmedaille geholt hatten, waren es 2012 im eigenen Land derer 29.

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