Unter Doping versteht man die Einnahme von unerlaubten Substanzen © getty

29 Prozent der WM-Athleten von 2011 geben bei einer Umfrage zu, zuvor gedopt zu haben. Prokop erklärt das System für nutzlos.

München - Erschreckende Zahlen bei einer Umfrage: Laut "New York Times" haben 29 Prozent der Teilnehmer an der Leichtathletik-WM 2011 bei einer anonymen Umfrage der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA zugegeben, im Jahr 2010 gedopt zu haben.

Nach Meinung der Forscher ist davon auszugehen, dass die wirkliche Zahl der Doper noch höher ist.

Bei gleicher Fragestellung gaben sogar 45 Prozent der Athleten bei den Panarabischen Spielen 2011 in Doha (Katar) zu, im Vorfeld unerlaubte Mittel benutzt zu haben.

"Das überrascht mich gar nicht. Es deckt sich in etwa mit der Studie von Eike Emrich, unserem früheren Vizepräsidenten", sagt Clemens Prokop, Präsident im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).

Armstrong als Negativ-Beispiel

Emrich, Lehrstuhlinhaber für Sportökonomie und Sportsoziologie an der Universität des Saarlandes, hatte nach einer ebenfalls anonymen Umfrage ermittelt, dass rund 30 Prozent der deutschen Spitzenathleten quer durch alle Kader und Sportarten schon einmal Dopingmittel verwendet haben. ( 762731 DIASHOW: Die Tops und Flops der WM 2013 )

Prokop sagt: "Der noch höhere Wert im arabischen Raum wundert mich auch nicht, weil es dort so gut wie kein Anti-Doping-System gibt. Die Zahlen der WADA-Umfrage zeigen wieder einmal, dass das ganze internationale Kontrollsystem nicht greift."

"Dies wurde bereits deutlich bei den Dopingfällen um den gefallenen Radstar Lance Armstrong oder die amerikanische Sprinterin Marion Jones. Beide wurden über rund zehn Jahre mehr als 100 Mal getestet und nie erwischt. Danach gaben sie zu, über lange Zeit gedopt zu haben. Das Schlimmste: Sie konnten die vielen negativen Ergebnisse unzureichender Tests auch noch lange als Indiz für ihre Sauberkeit in die Öffentlichkeit tragen", führt Prokop weiter aus.

Glaubwürdigkeit geht verloren

Der DLV-Präsident sieht sich auch in seiner Forderung nach einem Anti-Doping-Gesetz in Deutschland bestätigt.

"Was nutzt dem Sport die ganze Autonomie, wenn er immer mehr Glaubwürdigkeit verliert", sagt er angesichts der Haltung von Thomas Bach.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) will zwar die Hilfe des Staates bei der Strafverfolgung des Athleten-Umfeldes in Anspruch nehmen, lehnt aber ein Gesetz ab.

Sein Argument: Verfahren gegen Athleten würden dann viel länger dauern, der Sport könne ganz kurzfristig Sperren aussprechen.

Sonderzahlungen an NADA

Der DLV-Präsident glaubt nicht, dass in seinem Verband die Quote der möglichen Doper so hoch ist wie es die Zahlen der Studie aussagen.

"Das ist alles Spekulation. Fakt ist, dass wir im DLV die mit Abstand höchste Zahl an Trainingskontrollen haben, auch weil wir dafür Sonderzahlungen an die Nationale Deutsche Anti Doping Agentur NADA leisten, um eine noch höhere Dichte zu erhalten. Im DLV gibt es jährlich über 1500 Trainingskontrollen, im gesamten deutschen Fußball nur rund 500."

Anonymität als Schutz

Bei der WADA-Umfage waren vor der Leichtathletik-WM 2011 im südkoreanischen Daegu und den Spielen in Katar rund 2000 Athleten gefragt worden, ob sie unerlaubte Mittel benutzt haben.

Die WADA hatte die Studie in Auftrag gegeben, um unter dem Schutz der anonymen Befragung Aufschlüsse zum Doping zu erhalten.

Daten längst offiziell

Nach einem 2012 aufgebrandeten Streit über die Veröffentlichung waren die Daten lange zurückgehalten worden.

Zuletzt hat der Leichtathletik-Weltverband IAAF entschieden, die Resultate mit den Ergebnissen von Blutuntersuchungen bei der WM in Moskau (10. bis 18. August) zusammenzubringen. Dies erklärte das Blatt unter Berufung auf IAAF-Sprecher Nick Davies.

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