MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Christina Obergföll holte mit der WM-Goldmedaille in Moskau ihren ersten großen Titel © getty

Obergföll verliert nach WM-Gold in der Diamond League - und erhält Trost von einer Konkurrentin. Spiegelburg nimmt Revanche.

Stockholm - Christina Obergföll empfing die E-Mail der Speerwurf-Olympiasiegerin, bevor ihre Niederlage am 32. Geburtstag perfekt war.

"Warum schaust du so traurig? Du hast am Sonntag WM-Gold gewonnen, das zählt. In Stockholm kannst du problemlos verlieren", lautete die Essenz der Botschaft von Barbora Spotakova, die daheim in Tschechien die Diamond League vor dem Fernseher verfolgte.

Allerdings wollte Obergföll eigentlich gerade am Geburtstag ("Wir haben trotzdem tüchtig gefeiert") nach fünf Siegen in der Diamond League nicht unbedingt die erste Saisonniederlage einstecken.

Spannungsabfall zu groß

"Nach den 68,59 m von Maria Abakumowa im zweiten Versuch dachte ich: das wars", berichtete sie anschließend: "Mir haben Wut und Energie gefehlt, der Spannungsabfall nach dem WM-Gold war zu groß, ich konnte mich nicht mehr aufraffen und sagen: Die putze ich jetzt weg."

62,36 in Runde eins reichten am Ende nur zu Rang drei für die Olympiazweite, die vier schwache Würfe ungültig machte. Die WM-Vierte Linda Stahl legte zuletzt 63,75 m nach.

"Linda war es peinlich, sie hat sich entschuldigt, weil sie mich noch übertroffen hat", sagte die Weltmeisterin, die vor drei Jahren nicht so entspannt gelächelt hatte, als ihr die Leverkusenerin bei der EM von Barcelona den Titel wegschnappte.

Stolzes Preisgeld

"Nun peile ich nächsten Donnerstag in Zürich den sechsten Saisonsieg in der Diamond League an", sagte Oberföll, die sich nach Stockholm mit ihrem bisher höchsten Preisgeld in der Königsklasse trösten darf: 40.000 Dollar für den Disziplin-Saisonsieg, jeweils 10.000 für fünf Meeting-Siege.

Selbst wenn Obergföll in Zürich erneut gegen die vom enttäuschenden dritten WM-Rang angestachelte Abakumowa verlieren sollte, hat sie in der Meetingserie über 100.000 Dollar (gut 80.000 Euro) verdient.

Spiegelburg gelingt Revanche

Das Kontrastprogramm bot in Stockholm die "ewige Vierte": Silke Spiegelburg, die bei der WM zum fünften Mal Vierte eines Medaillenwettstreits geworden war, berappelte sich nach anfänglicher Enttäuschung.

"Ich habe in Moskau mit 4,75 m einen guten Wettkampf geboten, es war kein Pech im Spiel, drei andere waren einfach besser", sagte sie.

Positiv gestimmt schlug die Leverkusenerin in Stockholm mit Ausnahme der fehlenden Weltmeisterin Jelena Issinbajewa alle Top-Platzierten der WM.

Bei 4,59 m lag sie gleichauf mit der Kubanerin Yarisley Silva, die ihr WM-Bronze weggeschnappt und sie 2012 in Stockholm im Stechen bezwungen hatte, und drehte nun den Spieß um: 4,69 m nahm Spiegelburg auf Anhieb, die Olympiazweite riss.

Disziplinsieg möglich

Mit ebenfalls 4,59 m landeten Brasiliens Ex-Weltmeisterin Fabiana Murer und Olympiasiegerin Jennifer Suhr (USA) auf Rang drei und vier.

"Jetzt kann Silke bei einem Sieg in Zürich wie 2012 den Disziplinsieg in der Diamond League und 40.000 Dollar gewinnen", sagt Manager Marc Osenberg.

Mehrere Weltmeister mit Niederlagen

Keine Chance wird auch in Zürich die WM-Zweite Christina Schwanitz gegen Neuseelands Kugelstoß-Seriensiegerin Valerie Adams haben, die mit 20,30 zu 19,26 m gewann.

Der Stockholmer Diskuswurf war ohne Weltmeister Robert Harting eine müde Sache. 65,86 reichten Polens Vize-Weltmeister Piotr Malachowski zum Sieg.

Der Magdeburger Martin Wierig gewann als Dritter mit 63,64 die "kleine" WM-Revanche gegen Estlands Peking-Olympiasieger Gerd Kanter, der ihm in Moskau Bronze abgejagt hatte.

Wie Obergföll verloren drei andere müde Weltmeister, acht siegten wie Äthiopiens Meseret Defar bei ihrer Jahresweltbestzeit von 8:30,23 über 3000 m.

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